Das Geld ist raus!

Von Maori, 16. Mai 2012.

Vielen Dank noch einmal an die Leserinnen und Leser von Nataschas Blog Vorstadtprinzessin (neuerdings auch im Blogroll rechts zu finden). Die Spenden an Initiative Lillebror e. V. (Sterneaktion Esslingen), Asphalt e. V. (Underdog) und Schalke hilft! sind raus.

Macht weiter Werbung für mein Buch „Vom Schisser zum Glückspilz in sechsundzwanzig Etappen“, alle Einnahmen gehen an tolle karitative Projekte in ganz Deutschland. Außerdem soll das Buch ganz unterhaltsam sein, habe ich mir sagen lassen. Cheerio!

Wie heißen eigentlich die, die etwas gespendet bekommen?

Von Maori, 15. Mai 2012.

Spender sind Spender. Aber wie nennt man diejenigen, die am anderen Ende der Kette stehen? Bespendete? Spediteure? Nein. Egal. Die Vorstadtprinzessin und ich haben einen Abnehmer für 242,28 Euro gesucht und gleich drei gefunden. Aber der Reihe nach.

Ich schrieb ein Buch, dessen Erlös komplett gespendet wird. An Organisationen, die Sinnvolles tun. Diesmal jedoch wollte ich nicht ganz so bekannte Projekte ins Rampenlicht holen und habe deshalb mit einem Gastartikel um Vorschläge gebeten. Das Ergebnis waren folgende Vorschläge:

Deutschlands vergessene Kinder

Lokale Hilfsprojekte der Brose Baskets Bamberg

Sterneaktion Esslingen

Underdog

Dunkelziffer e. V.

Dobbelino Zirkus & Zirkusschule

wünschdirwas e. V.

All die vorgeschlagenen Einrichtungen und Projekte sind unterstützenswert. Für jeden einzelnen Vorschlag gibt es gute Gründe, handfeste Argumente, deshalb ist meine Entscheidung nicht fair. Sie soll einfach zum Nachahmen animieren und ausdrücken: Dort draußen gibt es unzählige kleine und große Projekte, die deine Unterstützung brauchen können.

100 Euro gehen an die Sterneaktion Esslingen. Kinder brauchen Träume und den festen Glauben an das Gute. Wir sollten ihnen ein Vorbild sein, deshalb diese Entscheidung.

100 Euro bekommen die Wohnungslosen-Helfer von fiftyfifty für das Projekt Underdog. Wohnungslose haben mit so viel Ablehnung und Hürden zu kämpfen, das habe ich beim alternativen Stadtrundgang von Hinz&Kunzt (Hamburger Obdachlosenzeitung) gelernt. Hilfe für die, die ohne Vorurteile zu ihren Herrchen und Frauchen halten, gehört unterstützt.

Der Rest von 42,28 Euro geht an das Projekt Schalke hilft! meines Heimatvereins. Rund um Gelsenkirchen fördert es sozial benachteiligte und/oder kranke Menschen, besonders Kinder und Jugendliche. Die Kommunen im Pott sind pleite, es fehlt an allen Ecken und Enden, Leidtragenden sind wie immer die Schwächsten. Hier springt der Verein und engagiert sich vor Ort. Das wäre dann mein Vorschlag.

Ich habe bereits mit Natascha, der Vorstadtprinzessin, ausgemacht, dass wir diese Art der Spender-Empfänger-Suche wiederholen werden, wenn die nächste Abrechnung fürs Buch eintrudelt. Für neue Vorschläge bin ich natürlich immer offen und dankbar.

Wofür runde ich eigentlich auf?

Von Maori, 07. Mai 2012.

Zurzeit wird mit mittelmäßigem Medien-Tamtam die Aktion „Deutschland rundet auf“ beworben. „Aufrunden bitte“ soll man beim Bezahlen an der Kasse im Einzelhandel sagen, schon wird auf den nächsten runden Zehn-Cent-Betrag aufgerundet. Also von 17,44 Euro auf 17,50 Euro, von 18,90 Euro auf 19,00 Euro. Verstanden? Gut. Man spendet also maximal zehn Cent pro Bezahlvorgang an die Aktion.

Es machen teilweise unsaubere Unternehmen wie Kik mit, was einer gewissen Ironie (oder nennt man es Zynismus?) nicht entbehrt. An sich soll man einer guten Sache nicht in die Suppe spucken, aber die Sensibilität sollte man nie ablegen. Wo kann man aufrunden? Beispielsweise bei Kaufland, Netto, Görtz, Penny, Toom, SportScheck, Reno, SinnLeffers oder WMF. Es kommen laufend neue Partner hinzu.

Die Spenden kommen überwiegend dem Nachwuchs zugute. Unterschiedliche Förder- und Hilfsprojekte für Kinder und Eltern stehen im Mittelpunkt der Aktion, etwa die Unterstützung sozial schwacher Familien, Gesundheitsförderung an Grundschulen oder die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund (MS Word kennt das Wort nicht, wie bezeichnend).

Informationen zur Aktion kann man sich auf der ziemlich verkorksten Website abholen.

Fazit: Eine intelligente, weil sehr einfache Art des Spendens. Außerdem praktisch, da man schwere Kupferberge im Portmonee vermeidet. Und effektiv, da 100 % der Spenden in die Hilfsprojekte fließen.

Die prozentuale Gewohnheitsabgabe

Von Maori, 04. April 2012.

Hat nicht jeder von uns schon mal gedacht: Verglichen mit so manchem Menschen auf der Welt geht es mir doch wirklich top deluxe! Na ja, ich habe das gedacht, als ich damals beschlossen habe, alle Einnahmen für mein Camino-Buch abzugeben. Das ist ja auch nichts Überragendes, das ist doch keine Leistung. 300 Seiten über einen staubigen Feldweg schreiben, das ist eine Leistung! Egal, darum soll es nicht gehen.

Was ich sagen will: Meine Freundin hat beschlossen, 10 Prozent ihrer Einnahmen bei Kleiderkreisel an das „Gast-Haus statt Bank“ zu spenden, einer Einrichtung für Wohnungslose in Dortmund. Finde ich super. Man nimmt sich eine Tätigkeit, beispielsweise eBay-Verkäufe, legt dann eine prozentuale Gewohnheitsabgabe fest und gibt sie einer Einrichtung weiter, die einem persönlich am Herzen liegt. Total einfach, total gut.

Es reicht ja völlig, wenn man sich nur eine einzige Sache aussucht. Bevor man das Geld für irgendeinen unnützen Scheiß ausgibt. Versucht es doch mal – und berichtet mir. Hier. Danke!

Werbung für die Werbung

Von Maori, 03. April 2012.

Ich arbeite als Texter im Dialogmarketing und muss mich täglich mit kniffligen Fällen auseinandersetzen. Nicht so knifflig wie Monk, aber auf jeden Fall kniffliger als bei meiner ehemaligen Agentur Scholz & Friends. Dort habe ich nämlich solche Dinge hier fabriziert (ich stehe dazu und es hat Spaß gemacht, so!).

Nun bin ich bei einem Trendportal registriert und bekomme im besten Fall Produkte zum Testen. Der Deal ist klar: Ich teste etwas und bekomme eine Kleinigkeit dafür. Vorteil für die Unternehmen: Geringe Kosten und dezidiertes Feedback direkt von der Zielgruppe. Vorteil für die Teilnehmer: Kostenlose Produktproben und Spaßfaktor. Bisher habe ich noch nix bekommen, aber wenn ich etwas bekommen sollte, werde ich das Produkt auch hier breittreten. Ich versuche natürlich, das Ganze irgendwie sinnvoll mit dem Zweck dieses Blogs in Einklang zu bringen. Also soll jeder Produkttest meinerseits irgendwie mit einer Spendenaktion verknüpft werden.

Was das Ganze nun mit meinem Beruf zu tun hat? Nun ja, ich kenne natürlich auch die Hintergründe eines solchen Trendportals und werde mich sicherlich nicht prostituieren, um jedes Produkt, das mir geschenkt wird, zu verkaufen. Wenn es schlecht ist, werde ich es niedermachen, so wie es gehört.

Falsch bleibt falsch

Von Maori, 29. März 2012.

Todesstrafen sind archaisch, primitiv, wirkungslos und moralisch verwerflich. Trotzdem fühlen sich führende Industrienationen wie Japan, die Vereinigten Staaten oder China dazu legitimiert, Menschen umzubringen.

Immer, wenn alte Männer über Frauenprobleme reden (Kirche und Schwangerschaftsabbruch), denke ich: Das könnt ihr doch nicht beurteilen. Auf die Todesstrafe übertragen bedeutet das, dass ich vielleicht anders denken würde, hätte so ein kranker Verbrecher meine Tochter vergewaltigt und umgebracht. Aber grundsätzlich, so aus rein philosophischer Sicht, ist die Todesstrafe keine gute Tat. Zudem sehen wir doch, dass die vielzitierte abschreckende Wirkung völlig ausbleibt. Wenn deine Bevölkerung verarmt, kannst du als Staat doch nicht mit Todesstrafen Diebstähle verhindern. Wer an eine solche Logik glaubt, kauft auch die Postille mit den vier großen Buchstaben.

Insofern wundert es mich doch sehr, dass in Japan nun drei Hinrichtungen vollstreckt wurden. Klar möchte ich für jemanden, der wahllos fünf Menschen erstochen hat, keine Steuern zahlen. Eine lebenslange Unterbringung kostet ja auch was, und hat jemand, der fünf Menschen erstochen hat, nicht längst das Recht auf sein eigenes Leben verwirkt? Vielleicht. Aber wer gibt mir als Mitmensch das Recht, Mord mit Mord zu bestrafen? Ich kann doch nicht sagen, dass es falsch ist jemanden umzubringen, und diesen Menschen dann umbringen. Der Unterschied, dass die einen unschuldig waren, während die Hingerichteten in den aktuellen Fällen eindeutig schuldig (ein großer Unterschied zu den USA, wo ziemlich wahllos und prinzipiell hingerichtet wird), ändert moralisch nichts daran. Denn, das habe ich im Buch „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ von Richard David Precht gelernt: Schuld wiegt Schuld nicht auf. Mit anderen Worten: Man kann Schuld, Mord, Tod, nicht gegeneinander aufrechnen. Drei Unschuldige Tote und drei schuldige Tote ergeben nicht null.

Wieso Staaten neben vielen sinnvollen auch sinnlose Vorgehensweisen an den Tag legen, erscheint dem kleinen Mann von der Straße schleierhaft. In Japan ist das Paradebeispiel der Walfang. Aber letztendlich geht es weder um Moral und Abschreckung auf der einen oder Walbestände und Wissenschaft auf der anderen Seite, sondern um Geld und Ruhm. Politiker, die nach Macht streben, benutzen natürlich alle Instrumente, die sich ihnen bieten. Solange man ihnen also nicht auf die Finger haut, werden weiter Menschen gehenkt und Wale zerstückelt. Ergo gibt es nur eine probate Waffe gegen die Todesstrafe in Japan: den Wahlzettel.

Keiner ist so japanisch wie die Deutschen

Von Maori, 28. März 2012.

Am letzten Samstag war ich mit einigen Pentax-Enthusiasten in Hamburg unterwegs. Und ich habe Utensilien erblickt, die ich vorher noch nie in Gebrauch gesehen habe. Meine Fotoausstattung besteht aus einer Kamera, mehreren Objektiven, einer Tasche und (abends/nachts) einem Stativ. Aber das ist gar nichts im Vergleich zu dem, was sich in den Taschen und um die Körper an Technik und Cleverness ansammelte.

Wir Japaner gelten ja als das fotografierende Volk, klar, nach der Kodak-Pleite bleibt nur noch Samsung als einziger relevanter Digitalkamera-Hersteller außerhalb Japans. Canon, Casio, Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax, Sigma und Sony beherrschen praktisch den Weltmarkt. Aber die Deutschen sind mindestens genauso manisch wie die Japaner, vielleicht sogar noch etwas mehr, wenn es um das Bohei rund ums Hobby geht. Anstatt einfach rauszugehen und Fotos zu schießen, häufen die Deutschen unfassbar gerne Equipment an. Nun ja, zumindest in diesem Punkt unterschieden sich die Pentaxianer, sie nutzten und nutzen ihr Equipment ausgiebig.

Vor einigen Jahren habe ich sehr viel fotografiert, war häufig unterwegs. Aus dieser Zeit besitze ich noch Tausende Fotoaufnahmen. Aber irgendwann habe ich mich aus den Fotoforen verabschiedet. Mir gingen diese besserwisserischen Nerds auf die Eier, die sich im Internet groß gebärdeten, aber sich im realen Leben als totale Verlierer entpuppten. Während des Budapest-Urlaubs hantierte meine Freundin mit ihrer Canon EOS 500D herum, ihre Bilder boten natürlich ein anderes Level an Detail- und Farbtreue als die durchaus ansehnlichen Schnappschüsse meiner PowerShot SX230 HS. So bekam ich wieder Lust, mit einer digitalen Spiegelreflexkamera loszuziehen. Natürlich habe ich überlegt, ob ich mir eine EVIL zulege, aber alles in allem bietet mir meine Pentax K-5 genau das Paket, das ich wollte: relativ kompakt, wahnsinnig robust, extrem gut ausgestattet, sagenhafte Bildqualität, zwei Displays, ein echter Sucher.

Jetzt möchte ich natürlich wieder häufiger nach draußen, damit die Kamera auch etwas zu tun bekommt; da kam mir das Pentax-Treffen recht gelegen. In der eigenen Stadt unterwegs zu sein ist sehr lehrreich. Von Touris kann man sich als Einheimischer viel abschauen, man muss nur alles wahrnehmen wie sie. Dann entdeckt man auch einige Ecken, in die man im Alltag nicht hineingerät. So führt der Jakobsweg mitten durch Hamburg, das wissen die meisten Hamburger gar nicht. Mein Arbeitskollege singt gerade, ich kann mich nicht konzentrieren, daher höre ich hier mal auf.

Verdächtig, weil Ausländer

Von Maori, 27. März 2012.

Es ist rechtens, wenn Bundespolizisten Bahnreisende aufgrund ihres Aussehens kontrollieren, so eine aktuelle Entscheidung des Verwaltungsgerichts Koblenz. Dabei soll gegen illegale Einwanderer vorgegangen werden.

Nun ja, aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, so ein verdächtiger Ausländer zu sein. Ich wurde schon einmal auf dem Weg von Hamburg ins Ruhrgebiet von Bundespolizisten völlig grundlos kontrolliert. Obwohl, so grundlos dann doch nicht, wie ich jetzt ja durch den Artikel erfahren habe. Ich bin Japaner, sehe aus wie ein Japaner. Klar. Aber ich besitze seit ungefähr 10 Jahren durchgehend eine BahnCard und muss mich trotzdem während meiner ziemlich überteuerten Bahnfahrt, auf der ich bereits von der Zugbegleiterin kontrolliert wurde, zusätzlich von Bundespolizisten belästigen lassen. Weil ich aussehe wie ich aussehe. Und weil scheinbar der InterCity von Hamburg ins Ruhrgebiet von so vielen illegalen Einwanderern zur unerlaubten Einreise genutzt wird. Nee, is klar.

Ich kann schon verstehen, wie diese Vorgehensweise zustande kommt. Schließlich können die Beamten nicht in die Köpfe der Menschen schauen. Aber wenn ich als Bahnreisender ziemlich eindeutig als Stammkunde dieses Witzvereins registriert bin, darf ich doch bitteschön erwarten, dass ich nicht der illegalen Einwanderung verdächtigt werde. Rassismus ist das nicht, nein, die meisten illegalen Einwanderer sehen nun einmal deutlich nichteuropäisch aus. Aber diese Kontrollen in der Bahn gehen einen Schritt zu weit. Wenn, sollte ein sehr konkreter Verdacht bestehen. Was glauben Sie denn, wie mich die anderen Bahnreisenden nach dieser hirnrissigen, ungerechtfertigten Aktion angesehen haben?

Nebenbei bemerkt wurde ich als etwa Fünfzehnjähriger am Dortmunder Hauptbahnhof von Polizisten kontrolliert. Die haben sogar in meinen Rucksack gesehen, um zu überprüfen, ob ich Zigaretten verkaufe. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie verpeilt die beiden Beamten gewesen sein müssen. Wer mich seit fünfzehn Jahren kennt, weiß, dass ich damals definitiv nicht wie ein Kippendealer ausgesehen habe. Demzufolge muss ich auch über die im Spiegel-Online-Artikel zitierte „einschlägige grenzpolizeiliche Erfahrung“ schmunzeln.

Aber solange Ausländer wie Ausländer aussehen, kann ja noch fröhlich herumkontrolliert werden. In fünfzig bis hundert Jahren ist das dann vorbei, wenn alles durchgemischt ist. Daran arbeite ich.

cash.com

Von Maori, 23. März 2012.

Es gab Zeiten, da zahlten gewisse Unternehmen für gewisse Domains wahnwitzige Summen. Mit einer gewissen Raffinesse konnte man so auf einfachstem Wege zu einem Multimillionär werden. Zwar halte auch ich einige interessante Domains wie Stahlindustrie.de, aber richtig reich kann ich damit nicht mehr werden. Denn mittlerweile gibt es so viele Möglichkeiten, auf diverse Domain-Endungen auszuweichen, dass Unternehmen oder Privatpersonen nicht mehr unbedingt die eine Domain sichern müssen. Superprägnante Domains wie web.de sind natürlich nach wie vor sehr wertvoll, andere immerhin für gewisse Kreise und Zielgruppen interessant.

Zu letzterer Kategorie gehört neverwinter.de. Vor einigen Jahren betrieb ich die zweitgrößte deutschsprachige Fanseite für das PC-Spiel Neverwinter Nights von BioWare (Star Wars: The Old Republic, Mass-Effect-Reihe), bis ich irgendwann keine Zeit mehr hatte, die Seite aktuell zu halten. Als die Besucherzahlen abnahmen und ich berufstätig wurde, schloss ich aus Zeitmangel die Seite. Seitdem lag die Domain brach. Vor einigen Tagen meldete sich Stefan Recht von Perfect World, einem Spezialisten für MMORPGs mit Titeln wie Star Trek Online, Jade Dynasty und Neverwinter, und übermittelte mir das Interesse an der oben genannten Domain. Ich habe vorgeschlagen, dass Perfect World eine faire Summe an die Kindernothilfe spendet und gegen Vorlage der Quittung die Domain von mir überschrieben bekommt. Stefan wird das Ganze am Montag intern besprechen und ich hoffe, dass die Jungs und Mädels in Amsterdam eine Spendenbüchse durch die Büros reichen. Der Kontakt war schon mal sehr nett, jetzt heißt es Daumen drücken und abwarten.

PS: Ich habe mal den Titel geändert, da ich die ursprüngliche Version in Zusammenhang mit der Kindernothilfe als unangemessen empfunden habe.

Entwarnung oder das Ende der Welt

Von Maori, 09. März 2012.

Arabischer Frühling, ukrainische Hunde und neuerdings Kony. Fast täglich werden wir von neuer Relevanz bombardiert, dass wir uns kaum noch des Eindrucks erwehren können: Mit der Welt stimmt etwas nicht. Manche reden gar den Weltuntergang herbei. Weltuntergang? Oh nein, der wird nicht stattfinden – den Gefallen wird uns die Welt nicht tun. Und bevor jemand Maya-Kalender ruft: Dieser besteht aus mehreren Ringen, die sich immer weiter drehen. Der hat gar kein Ende. Wenn dieses Jahr am 23. Dezember oder so diese ominöse Konstellation entsteht, passiert gar nix, im Grunde ist das wie ein Maya-Silvester, es geht einfach stumpf weiter. Hört also auf, euch dieses Deo zu kaufen.

Mir kam die Idee zu diesem Eintrag, als ich gestern einen kritischen Artikel über diese Kony-Aktion las. Eine undurchsichtige Organisation namens „Invisible Children“ macht mit einem YouTube-Film auf den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony aufmerksam. Wohl in einer reißerischen, emotional aufgeladenen und manipulativen Art und Weise. Nun habe ich zufällig vor einigen Jahren eine exzellente, beeindruckende Dokumentation über die Kindersoldaten von Kony gesehen. Phoenix oder Arte. Jedenfalls erzählten einige ehemalige Kindersoldaten, die befreit werden konnten, über ihre Zeit in Konys Armeen. Da ich wie jeder moderne Mensch ziemlich abgestumpft bin, bin ich nicht ganz so leicht zu erschüttern. Aber diese Dokumentation hat mich schockiert.

Der Unterschied zwischen einer einstündigen Arte-Dokumentation und einem halbstündigen Werbeclip (wenn auch für eine im Kern gute Sache): Der Dokumentarfilm analysiert die Hintergründe der unzähligen Konflikte in der Region, für die wie so häufig die europäischen Kolonialmächte maßgeblich mitverantwortlich sind. Der Clip dagegen stellt dramaturgisch das Werbeziel heraus, arbeitet mit allen Mitteln darauf hin und gaukelt dem Zuschauer eine Doku vor. Und ungefähr so arbeitet jedes kleine Mosaik an Webrelevanz, das über unsere Facebook-Pinnwände huscht. All diese Themen sind wichtig, aber jeder von uns ist nur eine einzige Person. Wir können uns nicht um alles kümmern, und das müssen wir auch nicht.

Wieso nicht? Nun, weil wir es nicht vertragen würden. Die Welt ist nicht schlechter geworden (Inquisition, Holocaust, Kreuzzüge), sondern einfach nur lauter. Alles, was Krach macht, landet irgendwann in unserem Kopf. Dafür sorgen Internetseiten, Fernsehsender, Zeitschriften. Vor tausend Jahren lebten die Menschen in ihren Dörfern und starben mit 30 an einer Lungenentzündung. Die hatten ganz andere Probleme als sich um Menschenrechtsverletzungen in China zu scheren. Niemand kann sagen, wie man letztendlich mit der Flut an Meldungen und Nachrichten umgehen soll. Ich für meinen Teil versuche zu sortieren:

1. Der beeinflussbare Teil.
Ich versuche, meinem Umfeld freundlich zu begegnen. Ich sorge mich um meine Familie und engagiere mich ab und zu sozial, wenn ich gerade von Skyrim loskomme.

2. Der relevante Teil.
Durch Kleinigkeiten beeinflusse ich die Gesellschaft, in der ich lebe. Ich blogge beispielsweise, trete im Freundes- und Bekanntenkreis für gewisse Ansichten ein und wenn ich eine Tasche auf der Straße finde, gebe ich sie bei der Polizei oder im Fundbüro ab. Aber auch politisches Engagement gehört in diese Kategorie.

3. Der interessante Teil.
Ich wohne in Hamburg, also lese ich automatisch die meisten Meldungen aus Hamburg und der Umgebung. Da ich aus dem Ruhrpott stamme, verfolge ich natürlich auch Nachrichten aus meiner Heimat. Meine Eltern stammen aus Japan, also interessiere ich mich auch für Ereignisse, die dort stattfinden. Und so weiter.

4. Der Wahrnehmungsbereich.
Weltgeschehen. Außerdem noch Themen, die mich besonders bewegen. Beispielsweise Politik, Ernährung, Reisen. Ich schnappe Fragmente auf, schaue Dokus, lese ab und an einen Artikel, hänge aber nichts davon an die große Glocke.

5. Der Rest.
Das Grundrauschen, das für andere Menschen durchaus zu den ersten drei oder vier Kategorien gehören kann. Hier sortiere ich sogar manchmal Themen ein, die moralisch gesehen nach oben gehören. Aber wie ich schon schrieb, niemand kann sich um alles kümmern. Mir würde irgendwann der Kopf platzen.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er verträgt. Ich vertrage zwar einiges, weiß aber genau, dass ich nur einen gewissen Teil beeinflussen kann. Ich kann und werde nicht gegen ACTA, Assad, Atomausstieg auf die Straße gehen. Und bin deshalb kein schlechterer Mensch als die, die es tun. Noch ein Satz zu Facebook: Anstatt sich täglich ein neues Thema zu suchen, sollte man sich auf einige konzentrieren und konsequent bleiben. Denn einen Brand löscht man nicht mit einem kurzen Schuss Wasser.