Jedes Mal, wenn ich die Hetze der BILD lese, gegen oder für was auch immer, schmerzen mir sämtliche Zellen. Hirnzellen, weil die Dummheit dieses Schundblattes Grenzen sprengt, dessen Weite selbst kaum zu begreifen ist (fast unendlich), und alle anderen Zellen, weil mir unverantwortliches Handeln gepaart mit geballter Ahnungslosigkeit – ich schätze mal, gewollte Ahnungslosigkeit – bisweilen starke körperliche Schmerzen bereitet. Aber immerhin ist der eine oder andere BILD-Reporter auch mal für eine investigative Leistung gut. Davon weit entfernt befindet sich ein Hamburger Altpapier-Heftchen, das mir seit jeher ein Dorn im Auge ist: die Mopo.
Jedes Mal, wenn ich auf einer meiner Pendlertouren unter Hamburgs Straßen jemandem dabei zusehen muss, wie er oder sie gerade in der Hamburger Morgenpost blättert, möchte ich aufspringen, ihm oder ihr diesen Dreck aus den Händen reißen und brüllen. Ich würde brüllend fragen, wer oder was eine solch schamlose Zeitverschwendung rechtfertigt. Die Mopo gilt in Hamburg als die schäbigste, schlechteste Pizzabeilage, da sie gern mit einer pappigen Joey’s Pizza ins Haus kommt. Oder war das Smiley’s?
Die kostbare Lebenszeit (nein, sie kommt nicht wieder, auch wenn dümmliche Kreationisten es immer wieder behaupten) rieselt nur so fort, angesichts dessen halte ich folgende Frage für durchaus berechtigt: Wieso füttert man das sowieso schon völlig überforderte Gehirn mit Nullinformationen, mit hohlen Wörtern und Geschichten, die weder von Belang noch von Interesse sind? Außerdem werden sich die meisten der Mopo-Nasen morgen an keinen einzigen Artikel mehr erinnern können – was einerseits ein Segen ist, andererseits die Sinnlosigkeit der Postille verdeutlicht.
Seit etwa einem Jahr weigere ich mich standhaft, mir allzu viel Schund anzulesen. Glücklicherweise ist mein Chef recht belesen und kann mir das eine oder andere literarische Momentum verschaffen, so dass ich mich nicht erst auf die Suche begeben, mich wie ein Glücksritter durch Unmengen verschrobener Buchstabenanhäufungen quälen muss, bevor ich die durstlöschende Oase finde, die heilsamen Seiten, die mich inklusive meines Kopfes auch nur einen halben Schritt vorwärts bringen. Und wenn wir schon dabei sind: Support your local book dealer! Nix Thalia, nix Amazon (auch wenn ich hier einen Partnerlink anbiete, aber hey, der gilt nur für das eine Buch: meins!) und nix Meyersche. Müller, Schmidt und Probst (Hettstedt!), suchen Sie sich Ihren Laden um die Ecke und gehen Sie immer dort hin. Jetzt. Sofort!
