
Todesstrafen sind archaisch, primitiv, wirkungslos und moralisch verwerflich. Trotzdem fühlen sich führende Industrienationen wie Japan, die Vereinigten Staaten oder China dazu legitimiert, Menschen umzubringen.
Immer, wenn alte Männer über Frauenprobleme reden (Kirche und Schwangerschaftsabbruch), denke ich: Das könnt ihr doch nicht beurteilen. Auf die Todesstrafe übertragen bedeutet das, dass ich vielleicht anders denken würde, hätte so ein kranker Verbrecher meine Tochter vergewaltigt und umgebracht. Aber grundsätzlich, so aus rein philosophischer Sicht, ist die Todesstrafe keine gute Tat. Zudem sehen wir doch, dass die vielzitierte abschreckende Wirkung völlig ausbleibt. Wenn deine Bevölkerung verarmt, kannst du als Staat doch nicht mit Todesstrafen Diebstähle verhindern. Wer an eine solche Logik glaubt, kauft auch die Postille mit den vier großen Buchstaben.
Insofern wundert es mich doch sehr, dass in Japan nun drei Hinrichtungen vollstreckt wurden. Klar möchte ich für jemanden, der wahllos fünf Menschen erstochen hat, keine Steuern zahlen. Eine lebenslange Unterbringung kostet ja auch was, und hat jemand, der fünf Menschen erstochen hat, nicht längst das Recht auf sein eigenes Leben verwirkt? Vielleicht. Aber wer gibt mir als Mitmensch das Recht, Mord mit Mord zu bestrafen? Ich kann doch nicht sagen, dass es falsch ist jemanden umzubringen, und diesen Menschen dann umbringen. Der Unterschied, dass die einen unschuldig waren, während die Hingerichteten in den aktuellen Fällen eindeutig schuldig (ein großer Unterschied zu den USA, wo ziemlich wahllos und prinzipiell hingerichtet wird), ändert moralisch nichts daran. Denn, das habe ich im Buch „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ von Richard David Precht gelernt: Schuld wiegt Schuld nicht auf. Mit anderen Worten: Man kann Schuld, Mord, Tod, nicht gegeneinander aufrechnen. Drei Unschuldige Tote und drei schuldige Tote ergeben nicht null.
Wieso Staaten neben vielen sinnvollen auch sinnlose Vorgehensweisen an den Tag legen, erscheint dem kleinen Mann von der Straße schleierhaft. In Japan ist das Paradebeispiel der Walfang. Aber letztendlich geht es weder um Moral und Abschreckung auf der einen oder Walbestände und Wissenschaft auf der anderen Seite, sondern um Geld und Ruhm. Politiker, die nach Macht streben, benutzen natürlich alle Instrumente, die sich ihnen bieten. Solange man ihnen also nicht auf die Finger haut, werden weiter Menschen gehenkt und Wale zerstückelt. Ergo gibt es nur eine probate Waffe gegen die Todesstrafe in Japan: den Wahlzettel.
