Medienkritikkritik

Letztens las ich unter einem Aserbaidschan-kritischen Zeit-Online-Artikel den Wunsch eines Kommentators, doch bitte über alle Probleme dieser Welt zu berichten, anstatt immer nur den Fokus auf einzelne Großveranstaltungen und deren Umfelder zu legen. Für diesen Bandwurmsatz möchte ich mich entschuldigen.

Wie stellt sich der Kommentator seine Forderung in der Realität vor? Wer soll bitteschön diese zehn Milliarden Artikel eigentlich lesen? Ich sicherlich nicht. Es ist ja schon schlimm genug, dass man auf Twitter den Eindruck eines nahenden Weltuntergangs bekommt, wenn man sich die deprimierenden Tweets durchliest. Natürlich haben wir schon immer in einer Kaschrealität gelebt. Zum Großteil bestimmt die Presse, wie wir die Welt wahrnehmen. Aber dadurch, dass wir heutzutage durch Facebook, Twitter und Konsorten unter sozialem Dauerfeuer stehen (Hundefolter, teilen! Kind vermisst, teilen! Hungersnot, teilen! Oppositionelle verhaftet, teilen!), stehen wir permanent unter dem Eindruck einer schlimmen und schlechten Welt. Brauchen wir da noch mehr negative Presseberichte? Durch einen kritischen Artikel macht man die Leserschaft auf ein Problem aufmerksam. Durch dreihundert kritische Artikel schreckt man sie ab, kein einziges Problem erlangt so nennenswerte Aufmerksamkeit.

Ich empfehle dem Kommentator, vor der eigenen Haustür zu kehren, anstatt pseudoschlauen, undurchdachten Dünnschiss ins Netz zu blasen.

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