Das wird mir jetzt zu persönlich

Februar 6th, 2015 Posted by Gedanken No Comment yet

Vor gut anderthalb Jahren folgten mir auf Twitter vielleicht 120 Accounts. Viele kannte ich persönlich. Das war damals noch möglich, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Mittlerweile ist die ganze Sache ein wenig eskaliert.

Es ist verpönt, sich über viele Follower zu freuen. Aber ich freue mich über meine, denn sie sind zu einem großen Teil aktiv, witzig und herzlich. Gerade wenn jemand Hilfe benötigt, zeigt sich der Vorteil aktiver Follower. Andererseits wird es für mich immer schwieriger, persönliche Kontakte zu knüpfen. Und um ehrlich zu sein, ich will es nicht. Nicht unbedingt.

Twitter lebt von der Anonymität. Hier kann jeder die Identität annehmen, die er sich für diesen Mikrokosmos wünscht. Persönliche Banden führen nur zu falschen Verpflichtungen, Differenzen. Ich bin nicht besonders anonym, nirgendwo. Es ist ein Leichtes, mich ausfindig zu machen. Ich mag es aber nicht, mich mit Menschen zu unterhalten, die meinen, mich zu kennen. Deshalb möchte ich die Distanz wahren.

In den letzten Tagen fanden in meiner Timeline so viele Streitereien statt, dass es mich zeitweise vom Twittern abgehalten hat. Es war einfach nicht mehr lustig. Und wenn es das nicht mehr ist, wo bleibt der Sinn? Klar habe ich meine Meinung zum lächerlichen Thema Analogbotschaft. Aber die ist fast so relevant wie ein Haufen Hundescheiße im Westpark. Jeder meint, seinen scheiß Senf dazugeben zu müssen – gerade die Unbeteiligten. Als ob es im echten Leben nicht schon genügend Gräben gäbe.

Etwa drei Prozent der deutschen Bevölkerung twittern. Wenn ich großzügig davon ausgehe, dass von den Followern zehn Prozent noch aktiv sind, erreicht ein Account mit 20.000 Followern mit einem Tweet direkt 2000 Accounts. Das sind stolze 0,002 Prozent der deutschen Bevölkerung. Wer sich angesichts dieser Zahlen etwas auf seinen Twitteraccount einbildet, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

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