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ProSieben: Grüne Floskeln, nix dahinter

Mittwoch, 23. November 2011

Seit Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“ (Original: „An Inconvenient Truth“) ist Umweltschutz schwer in Mode. Auch wenn die Leute weiterhin alle Geräte auf Stand-by gestellt lassen, Batterien in den Hausmüll werfen und exzessiv Fleisch konsumieren, behaupten alle, mehr auf die Umwelt zu achten. Und wo die Masse ist, ist der Privatsender ProSieben natürlich nicht weit. Im Mai 2011 riefen die Verantwortlichen des Senders den Green Seven Monat aus. Neben der Ausstrahlung einiger Dokumentationen nahmen Formate wie „Galileo“ zahlreiche Umweltthemen ins Programm. Mülltrennung, Aufforstung, Klimaschutz, Sprit sparen, all dies wurde bis zum Erbrechen durchgekaut. Daran ist auch nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Es gibt aber ein großes Aber.

Quelle: http://www.prosieben.de/tv/greenseven/ © ProSiebenSat.1 Media

Aber: Erst im Alltag beweist ein Sender, wie konsequent er ist. In diesem Punkt versagt ProSieben kläglich. Um das zu veranschaulichen, picke ich mal die Sendung „Galileo“ heraus. Früher wurde mir bei „Galileo“ erklärt, wie der Mais vom Feld in die Dose kommt. Dazu ein paar Bonduelle-Logo-Einblendungen, fertig. In letzter Zeit aber häufen sich unerklärliche Boulevardbeiträge, die mit Umweltbewusstsein nichts zu tun haben oder im Gegenteil ausgesprochen umweltschädlich sind. Beispiele:

Bei einem Rekordversuch (es stellt sich hier die Frage, wieso Galileo versucht, sinnlose Rekorde aufzustellen) wurden über zweitausend Colaflaschen mit Mentos-Bonbons befeuert, um so eine entsprechende Anzahl an Fontänen zu erzeugen. Angesichts verdurstender Kinder in Somalia oder im Sudan indiskutabel und an Zynismus kaum zu überbieten.

In diese Kategorie fällt auch Jumbo Schreiner, der eine zeitlang durch die Weltgeschichte fuhr und besonders große Portionen diverser Gerichte (bevorzugt: Fleisch) probierte. Ich weiß zwar nicht, ob er das immer noch macht, ich fand es aber damals schon völlig daneben, mit Essen zu spielen.

Neuerdings gibt es bei „Galileo“ die Rubrik „Galileo Experiment“. Wenn ProSieben um 20:15 Uhr einen Hollywood-Blockbuster im Programm hat, spielen irgendwelche Menschen bei Galileo in dieser Rubrik diverse Filmstunts nach. Beispielsweise wird dann schon mal ausprobiert, ob ein Fass voller Schießpulver explodiert, wenn man mit Handfeuerwaffen draufballert. Oder es wird versucht, mit einem Düsentriebwerk ein Fahrzeug wegzublasen. Erstens sind solche Experimente völlig uninteressant und langweilig, und zweitens eher selten von Belang. Wieso dafür jede Menge Kohlendioxid in die Luft geblasen wird, verstehen wohl nur die Quotennutten von ProSieben.

Dann gibt es noch diese Kochrubrik, in der diverse Menschen zeigen, wie dumm sie sind. Die läuft immer nach dem identischen Prinzip ab: Ein Laie und ein „Profi“ (der dem Zuschauer grundsätzlich tierisch unsympathisch erscheint) versuchen sich an einem vorgegebenen Gericht, beispielsweise Pfannkuchen. Der Laie macht absichtlich alles falsch, damit der Profi so viele schlaue Tipps wie möglich geben kann. Das verbockte Gericht landet im Müll, gegessen wird das gelungene vom Profi. Diese Rubrik regt mich am meisten auf, weshalb ich die Sendung nicht mehr gucken werde. Klar bereitet man im Fernsehen Themen anschaulich auf. Aber das geht ganz bestimmt auch, ohne jede Menge Lebensmittel in den Müll zu kippen. Was denken sich diese (sorry) Idioten dabei? Da sträuben sich mir die Nackenhaare. Und dann in einem anderen Beitrag scheinheilig anmerken, dass die Deutschen doch ach so viele Lebensmittel wegwerfen würden. Geht’s noch?

Auf die Umwelt zu pfeifen sei jedem freigestellt. Damit müssen dann eben die Kinder und Kindeskinder auch der ProSieben-Angestellten klar kommen. Aber Scheinheiligkeit ist einfach das Letzte. Auf der einen Seite dem Zuschauer ein schlechtes Gewissen machen, dass er doch so ein Megaversager beim Thema Umweltschutz sei, und dann auf der anderen Seite fröhlich Autos in die Luft jagen und Lebensmittel wegwerfen. ProSieben ist natürlich nicht der einzige Sender, der sich in diesem Punkt tagtäglich lächerlich macht. Aber er ist auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.

Typisch deutsch

Freitag, 18. November 2011

Ich blogge seit 2005. Damals kannte man das Wort Bloggen noch nicht so wie heute, ich nannte es Online-Tagebuch und schrieb meine Meinung ins Netz. Vieles davon würde ich heute nicht mehr machen. Beleidigungen, Beschimpfungen, persönliche Diffamierungen waren an der Tagesordnung. Kommentieren konnte man noch nicht direkt unter die Artikel. Ich bearbeitete bei jedem Post eine html-Seite und lud sie jedes Mal neu hoch. In all den Jahren habe ich natürlich einige Shitstorms mitgemacht, besonders als die erste WordPress-Version online war.

Meine Meinungen sind kontrovers. Ich verstehe sie teilweise selbst nicht, jedenfalls polarisierten sie schon immer. Das war der Reiz des Bloggens, aber auch die Gefahr. Ein ehemaliger Dozent von mir, der gerade in Dortmund ein beeindruckendes Kunstprojekt an der Betonmauer vor dem Dortmunder U realisiert hat, wollte mich fast verhauen, weil ich damals einige Abläufe an unserer Hochschule offengelegt und kritisiert habe. Dieser Eintrag war wohl der bis heute meist diskutierte, den ich je geschrieben habe, und mittlerweile sollen sich die Zustände an besagter Schule gebessert haben. Zu meiner Zeit gab es extrem viel zu kritisieren, und im Nachhinein betrachtet war ich mit meinem Eintrag noch viel zu milde. Die Reaktionen allerdings haben mich als Blogger extrem weitergebracht. Gewisse Verhaltensweisen lernt man erst, wenn man solche Situationen überstehen musste.

Der Kern der Lehren, die ich damals gezogen habe, lautet: Es zählen nur Argumente. Beleidigungen, Unterstellungen, Ignoranz und Zynismus bringen eine Diskussion nicht weiter. Seitdem habe ich nie wieder Probleme mit Haters, Trolls und Spams gehabt. Als aktuelles Beispiel seien die Vorgänge der letzten Tage genannt, als die Veranstalter eines Gewinnspiels sich ungerecht bewertet fühlten. Jemand aus der Agentur, die für das veranstaltende Unternehmen arbeitet, begab sich anonym auf mein Blog, um zu trollen. Auch nach mehrmaligem Nachfragen und Entgegenkommen erfolgte weder eine Argumentation noch ein Einlenken. Also habe ich dem ein Ende gesetzt und gut is. Allerdings hatte der Besuch dieses Agenturmenschen auf meiner Seite auch etwas Gutes: Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich ein Impressum für mein Blog benötige. Hätte ich nicht gedacht, ist aber juristisch korrekt, da es sich bei einem Blog um ein meinungsbildendes Medium handelt. Zwar hätte er mich auch ohne Beleidigung und Drohung darauf aufmerksam machen können, aber diese Möglichkeit zog er leider nicht in Betracht. Sei’s drum.

Kurzerhand habe ich einen Kodex erstellt, der kurz erläutert, wie man sich auf dieser (und eigentlich auf jeder anderen) Website zu verhalten hat. Ich dachte, im Jahre 2011 sei so etwas nicht mehr nötig. Aber wenn erwachsene Menschen, die auch noch in derselben Branche arbeiten wie ich und eigentlich gebildet sein sollten, sich zu genannten Kindereien hinreißen lassen, dann besteht Handlungsbedarf. Vielleicht bin ich ja einfach schon zu deutsch, dass ich hier mit Paragrafen und Regeln um mich werfe. Ansonsten danke ich für die Unterstützung meiner Leser, die nach Berlin fahren wollten, um die Angelegenheit handfest zu klären. Gewalt ist keine Lösung und dafür steht das Projekt Weltgeschichte.org auch nicht. Die Hände sind nicht da, um sie zur Faust zu ballen. Sie sind da, um sie sich zu reichen. Sniff. Taschentuch, bitte.

Eine Horde Mannschaft

Montag, 08. August 2011

Schön doof, aber auch irgendwie … schön. Real Madrid CF gegen 109 chinesische Kinder. Dieser Kommentator, der zu Beginn den Sponsor der ganzen Angelegenheit, Ah Di Dah Su, mit unvergleichlicher Anmut ins Mikrofon krakeelt, sollte mal dezent eins in die Glocken gezwiebelt bekommen. Nun ja. Egal. Anschauen:

UK GB EN

Montag, 25. Juli 2011

Ist nicht ganz einfach, das Vereinigte Königreich, Großbritannien und England auseinanderzuhalten. Zumindest der deutschen Presse und den Durchschnittsmenschen an sich fällt es schwer, wieso auch immer. Aber für solche (und andere, nicht näher definierte) Fälle gibt es dieses hervorragende Erklärungsvideo. Viel Spaß.

Weltmeisterin

Montag, 18. Juli 2011

Ich bin Weltmeisterin. Ja, so ist das eben.

Schön, dass die Presse vor dem Finale fast nur über die Verlierer berichtet hat. Und jetzt kommt in jedem zweiten Artikel über das Spiel das Wort „Tsunami“ vor. So macht Fußball Spaß.

Übrigens ist Sebastian am Samstag zu seiner Tour über die Alpen aufgebrochen. Verrückter Typ. Ich wünsche ihm alles Gute und dass er heil in Venedig ankommt. Meine nächste Tour? Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wohin es mich verschlagen wird. Ich werde nächstes Jahr wieder eine Tour in Angriff nehmen. Jetzt kann ich ja auch erwähnen, dass ich eigentlich vorhatte, in diesem August durch Japan zu wandern. Na ja. Meine Geschwister werden im September in das Heimatland unserer Eltern reisen. Ich bin gespannt, welche Eindrücke sie von dieser Reise mitbringen.

Und ganz nebenbei bemerkt hat es das Cover des Manager Magazins (Arroganz der Macht) auf den zweiten Platz bei der Wahl zum Cover des Monats Juni geschafft. Geschaffen wurde es von meinem ehemaligen Art-Partner Markus, Text-Praktikant Benji, Art-Praktikant Matthias, GF Matthias und mir bei Scholz & Friends. Das letzte Cover von uns zum Thema Haniel (das Titanic-Cover) hat es ebenfalls nur auf den zweiten Platz geschafft. Grummel. Meine einzigen beiden Coverarbeiten für das Manager Magazin. Aus die Maus. Jetzt bin ich bei der aufstrebenden Data-Dialog-Design-Agentur My Deer. Falls Sie also einen Milliarden-Auftrag zu vergeben haben, rufen Sie doch mal durch. Wäre astrein.

Ein bisschen Rassismus zum Muttertag

Sonntag, 08. Mai 2011

Gerade eben las ich eine erschreckende Meldung aus den Staaten: Widerwärtige, dumme, rassistische und möglicherweise hässliche US-Amerikaner schmeißen zwei Menschen wegen ihres Aussehens aus dem Flugzeug. Wenigstens flog es noch nicht. Es gibt ja eine Menge USA-Fans hierzulande, die eben diese Schattenseiten einer fehlgeleiteten Gesellschaft in Kauf nehmen. New York sei ja so cool und so was, ja, mag ja sein. Aber ich trage doch nicht meine Kohle in eine solche Kultur; dafür ist mir die Idiotendichte zu hoch.

Apropos Rassismus. Kurz nach dem Bericht las ich wieder einmal einen Kommentar eines Volltrottels zum Thema Sarrazin. Er behauptete doch ernsthaft, die Ausländer seien dafür verantwortlich, dass sie nach der unsäglichen Buchdebatte als Ausländer gesehen würden. Und (noch geiler:) Sarrazin habe mit seinem Unwerk wenigstens eine Debatte ausgelöst. Letzteres habe ich häufiger gelesen und gehört, beispielsweise bei Maybrit Illner. Er habe ja eine Debatte ausgelöst, die längst überfällig gewesen sei, und dafür müsse man ihm doch dankbar sein. Wollen Sie die Antwort wissen? Hier ist sie: Nein. Einen Scheiß müssen wir, besonders nicht diesem Brandstifter dankbar sein. »Haben Sie das Werk denn gelesen?« Nein, ich habe all die Rezensionen und Besprechungen in der Presse verfolgt. Ich muss doch auch nicht Mein Kampf gelesen haben, um zu wissen, dass Hitlers Rassentheorien totaler Humbug sind. Was ist denn das für eine Logik? Muss ich einem verbitterten Rassisten Geld schenken, bevor ich ihn kritisieren darf? Also bitte. Das Gefährliche am Sarrazin-Schund ist nicht, dass er ohne seriöse Prüfung in den Handel gelangen konnte, sondern, dass die wenigsten Leserinnen und Leser jede krude Behauptung auf ihren Wahrheitsgehalt hin abgeklopft haben wird. Wer etwas anderes behauptet, lebt vollkommen an der Realität vorbei.

Irgendwann in den Neunzigern brannten in Rostock-Lichtenhagen Wohnblocks, in denen Asylbewerber untergebracht waren. Mit ihren Molotow-Cocktails lösten die rechten Hetzer eine international geführte Debatte aus. Dafür müssten wir ihnen dankbar sein, nicht? Danke, Nazis, dass ihr eine Debatte ausgelöst habt. Seltsam auch, dass die Sarrazin-Fans weniger über ihr eigenes Land wissen als so ein dahergelaufener scheiß Ausländer wie ich. Peinlich, peinlich. Ich schlage vor, wir weisen diese undeutschen Deutschen aus.

Der vergessene Robert Enke

Donnerstag, 05. Mai 2011

Schlägt man in diesen Tagen willkürlich irgendeine Sportzeitung auf, so fallen einem die reißerischen Artikel über Fanaufstände, randalierende Ultras und Rastplatz-Prügeleien ins Auge. Außerdem mehren sich Spielberichte, in denen einzelne Spieler regelrecht an den Pranger gestellt werden. Mit Sorgen betrachte ich die Boulevardisierung diverser Blätter; momentan findet sich auf Spiegel Online ein Artikel, der einen doch zu denken gibt. Es wird auf jungen Menschen herumgehackt, als hätten sie etwas tierisch Schlimmes verbrochen. Dabei galt Schalke doch zu Beginn der Saison als Abstiegskandidat. Nun sind sie im Halbfinale gegen Manchester United ausgeschieden und sollen deshalb die größten Versager auf Erden sein? Wörter wie „demontiert“ und „blamabel“ sind als reine Hetze zu betrachten, sollte man sich das Spiel gestern in Gänze angetan haben. Somit stellt sich die Frage: Haben die Journalisten aus dem Selbstmord von Robert Enke nichts gelernt?

Die Antwort ist so simpel wie traurig, aber durchaus zu erwarten gewesen: Nein. Schreiberlinge stehen unter enormem Druck; ich würde sogar soweit gehen zu behaupten: Am Ende sind die Chefredakteure für den gesamten Mist verantwortlich, nicht die Redakteure; auch zum nicht unerheblichen Teil an Robert Enkes Tod. An deren Stelle würde ich mir das natürlich nicht eingestehen und mich in kruden Rechtfertigungsversuchen verirren. Die Redaktionen arbeiten nach dem Motto: Wir tun nur unsere Arbeit und müssen dabei immer an die Wirtschaftlichkeit denken (= Klicks, Abverkäufe). Wenn dabei Leute auf der Strecke bleiben, ist das nicht einmal tragisch: So ein Selbstmord generiert gleich die zehnfache Anzahl an Klicks.

Übrigens kann man etwas dagegen tun: Diese Medien meiden, sie mit Beschwerdebriefen überhäufen und hoffen, dass sie doch etwas menschlicher ticken als ich denke. Aber das wird wohl nur ein frommer Wunsch bleiben. Der Mensch kann nicht anders.

Verplant

Dienstag, 26. April 2011

Sebastian, den ich bereits in meinem Buch »Vom Schisser zum Glückspilz« erwähnt habe, hat sich für den kommenden Sommer eine entspannte Alpenüberquerung vorgenommen. Um dieses Unterfangen einigermaßen vorbereitet anzugehen, möchte er am Wochenende mit mir durch die Gegend wandern. Nun ja, eigentlich habe ich nichts dagegen einzuwenden. Nur: In den letzten anderthalb Jahren bin ich kaum noch gelaufen. Zwanzig Kilometer würde ich wahrscheinlich noch schaffen, aber nicht gleich an zwei Tagen hintereinander. Wenn überhaupt, dann mit Ach und Krach. Dabei wäre es beinahe anders gekommen, und ich wäre fit wie ein Turnschuh gewesen.

Für den August 2011 hatte ich eine Durchquerung Japans vom nördlichsten Punkt Hokkaidos bis zur Südspitze von Kyushu geplant. Knappe dreitausend Kilometer in einem halben Jahr. Die vorgenommene Strecke führt mitten durch Sendai und Fukushima an der Ostküste entlang. Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen von einem Erdbeben der Stärke 9,0 vor der japanischen Ostküste gehört. Nach etwa drei Tagen stoischen Ertragens der Bilder und Geräusche habe ich endgültig beschlossen, den Plan aufzugeben. Für die nächsten dreißig, wenn nicht gar zwanzigtausend Jahre, wird die Strecke so nicht mehr begehbar sein. Grundsätzlich würde ich eine Durchquerung Japans irgendwann noch einmal in Angriff nehmen, allerdings nicht in nächster Zeit.

Im Sommer werde ich meinen jetzigen Arbeitgeber verlassen und zu einer anderen Agentur wechseln. Damit werde ich in absehbarer Zeit keine Gelegenheit haben, eine halbjährige Auszeit einzulegen. Was auch völlig in Ordnung geht. Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation wollte ich mit der Japan-Aktion Spenden sammeln, aber diese Unterstützung blieb enttäuschenderweise aus. Als Marketing-Typ kann ich nur kopfschüttelnd anmerken, dass viele Organisationen (wahrscheinlich nicht nur in Deutschland) Spenden als selbstverständlich nehmen. Und ja, viele Spender sehen Spenden als selbstverständlich an. Aber gerade deshalb würde ich doch als Organisation jedem Spender eine große Wertschätzung entgegenbringen, anstatt sie als Cash Cows zu sehen, die man mit Mailings und TV-Spots weiter melken möchte. Nicht nur bei Joghurt und Bier, auch bei Hilfsorganisationen merke ich als Medienkonsument doch, ob sie mich als Menschen ernst nehmen oder als Geldbörse sehen. Bevor ich mich jetzt in Rage schreibe, belasse ich es dabei und werde die Unterstützung für eine Organisation einstellen – aufmerksame Beobachter werden bemerken, welche gemeint ist. Die Spenden gehen an eine andere Organisation; an welche, werde ich in einem hochkomplexen Auswahlverfahren festlegen. Mit einer Expertenkommission. Normal.

Falls ich mit Seb wandern gehen sollte, werde ich ein paar Bilder hochladen. Vielleicht sogar ein Video. Aber nur … vielleicht.

Und noch mal: Das Fernsehprogramm ist nicht schlecht!

Freitag, 28. Januar 2011

Als Kritikergott Marcel Reich-Ranicki vor etwas über zwei Jahren den Deutschen Fernsehpreis ablehnte, zog er über die Teilnehmer der Veranstaltung her, die er als Stellvertreter einer katastrophalen Fernsehlandschaft sah. Behaupte ich jetzt mal. Jedenfalls stehen sich der Pöbel und die Intellektuellen, pardon, die »Intellektuellen«, nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Hier die Frauentausch-Gucker, dort die Theatergänger.

Aktuell erzielt eine unsäglich sinnlose und niveaulose Sendereihe Rekordeinschaltquoten. Auch hier im Großraumbüro (ich habe mein mir versprochenes Büro nicht bekommen, das nur nebenbei) wird beinahe allmorgendlich über die neuesten Ereignisse im australischen Dschungel getratscht. Dabei würde ich jetzt nicht behaupten, dass es sich ausschließlich um niveaulose, bildungsferne Mitmenschen handelt, obwohl der Durchschnittsintellektuelle scheinbar fest davon ausgeht. So wie es lange Zeit unvorstellbar war, dass der Manager mit seinem Audi zu Aldi fährt, so scheint es unvorstellbar, dass ein Akademiker Dschungelcamp guckt. Natürlich muss sich jeder, der solch ein TV-Format mit Interesse verfolgt, sich und seinen Anspruch hinterfragen. Und natürlich ist partielle Dummheit gepaart mit kognitiver Bequemlichkeit weder verwerflich noch strafbar. Die Tatsache, dass man sich mehr für diesen Schund begeistern kann als beispielsweise für eine Dokumentation über Bangladesch, deutet nicht unbedingt auf einen exorbitanten Horizont hin. Allerdings sollte man mit solchen Vorverurteilungen vorsichtig umgehen, schließlich braucht auch die leistungsfähigste Maschine ab und an einen erholsamen Leerlauf. Als Klospülung des Gehirns taugt der Schund doch wohl allemal.

Abgesehen davon bietet das deutsche Fernsehprogramm ein durchaus ansprechendes Niveau. Zwar herrscht der Eindruck vor, man sei von schlechten Sendungen umzingelt, aber das betrifft größtenteils die beiden Medienkonzerne RTL Group und ProSiebenSat.1 Media. Über die Soaps und Volksmusik-Sendungen bei den Öffentlich-rechtlichen kann man sich streiten, allerdings gibt es ja noch die dritten Programme. Hinzu gesellen sich ARTE, 3sat, Phoenix und der ZDFinfokanal, der den ganzen Tag einen ZDF-Bericht nach dem anderen bringt. Das ist ungefähr so wie das Essen hier in Hamburg. Wenn ich in irgendein x-beliebiges Restaurant gehe, könnte es sein, dass ich mit Durchfall und Brechreiz im Rinnstein liegen bleibe. Nur wenn ich mir Zeit nehme und das richtige Restaurant aussuche, bekomme ich auch mein Gourmetmenü.

Am Ende entscheidet der Konsument selbst, was er da vorgesetzt bekommt. Wir sind an allem Schuld! Ach ja, ich werde trotzdem nie und nimmer diesen Kakerlaken-Scheiß gucken. Ich würde mich schämen.

Tierliebe

Donnerstag, 20. Januar 2011

Wir leben in einer verwirrenden Zeit. Damit meine ich nicht diese komische dicke Frau gestern beim perfekten Promi-Dinner, die nur am Mosern und Maulen war, was für eine unsympathische, unangenehme Person. Nein, verwirrend ist, dass Fleischkonsum als wahnsinnig cool gilt, Vegetarismus aber auch. Veganismus übrigens nicht, Veganismus ist noch total uncool, das kommt erst, wenn Lisa Simpson sich dazu bekennt. Seit ich mal für Peta gearbeitet habe denke ich verstärkt über den Fleischkonsum an sich nach.

Früher habe ich mir schon zum Frühstück ein vierhundert Gramm schweres Stück Tenderloin reingepfiffen, dazu ein halbes Liter Rinderblut getrunken. Schwer, davon runterzukommen. Tierkonsum ist gesellschaftlich akzeptierter Mord, weshalb es manch einen Zeitgenossen extreme Überwindung kostet, auf den allgegenwärtigen Nutzen zu verzichten. So geht es mir auch. Besonders hinderlich sind meines Erachtens die militanten Fleischverweigerer, die der Menschheit mit Mosern und Maulen in den Ohren liegen. Wenn mir jemand wegen meines Essverhaltens doof kommt, höre ich erst recht weg – so wie die meisten Menschen. Wie bekommt man also die Masse vom Massenkonsum herunter? Von heute auf morgen sicher nicht.

Meiner Meinung nach muss jeder selbst entscheiden, ob er Fleisch zu sich nimmt oder nicht. Moralisch verwerflich finde ich es nicht, schließlich sind Menschen biologisch gesehen Allesfresser. Wer das bestreitet, entzieht sich selbst die Legitimation zur Teilnahme an der Diskussion. Also: Zunächst muss man akzeptieren, dass es Lebewesen gibt, die andere Lebewesen fressen. Dazu gehört auch der Mensch, und hätte er seit Urzeiten nur Hülsenfrüchte und Möhrchen geknabbert, es hätte sicherlich noch drei Millionen Jahre länger gedauert, um den heutigen (zugegeben nicht berauschenden) Zivilisationsstand zu erreichen.

Natürlich kommt jetzt das Aber: Der Mensch hat nicht umsonst ein Hirn entwickelt. Und dieses Hirn schafft heute schon (zwar nicht immer, aber immerhin manchmal), soweit zu denken, dass Tieren nicht mehr Leid zugefügt werden sollte als nötig. Was am Ende nötig ist, entscheidet jeder selbst. Entweder durch vollständigen Verzicht oder durch die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben.

Ich für mich selbst habe festgestellt, dass Vegetarismus nichts für mich ist. Aber ich werde meinen Fleischkonsum um neunzig Prozent reduzieren. Und bevor jetzt irgendwelche Wurzellutscher mir meine letzten zehn Prozent auszureden versuchen: Erstens halte ich ein saftiges Steak als Geisel, und wenn Sie mir dumm kommen, esse ich es! Zweitens: Es ist immer besser, jemand reduziert seinen Fleischkonsum, als überhaupt nicht. Man sollte es ihm nicht madig machen, sonst könnte er (ich) noch denken, alle Vegetarier und Veganer seien unerträglich bigotte, besserwisserische, arrogante, beschränkte Fundamentalisten. Und zu solchen Menschen möchte ja wohl niemand gezählt werden. Guten Hunger.

Nachtrag: So wie das Jahr 2000 das Jahr der Internetanschlüsse in Deutschland geworden ist, könnte das Jahr 2011 das Jahr des Fleischverzichts werden. Zumindest vermitteln mir die Massenmedien diesen Eindruck. Und wenn Lebensmittelskandale wie die Dioxin-Eier zum Überdenken des eigenen Konsum- bzw. Ernährungsverhaltens führen, dann kann ich ihnen durchaus etwas Gutes abgewinnen.