Nicht nur Adidas, Sony oder Thüringer Waldquell sind Marken – auch Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt, Kindernothilfe oder UNICEF schaffen sich über eine kommunikative Klammer eine Markenidentität. Gerade Global Player wie Greenpeace und WWF funktionieren nicht anders als große Unternehmen: Sie haben Niederlassungen, Mitarbeiter und natürlich auch Marketingabteilungen. Mit gewaltigen Fangnetzen fischen sie weltweit Spendengelder in Millionenhöhe. Dabei setzen sie auf schnelle, einfache Botschaften. Das bekannteste Beispiel ist der Große Pandabär des WWF. Pandas sehen einfach knuffig aus und funktionieren hervorragend als Spendenköder, anders als etwa bedrohte brasilianische Lurche.
Und kleine schwarze Kinder mit großen Augen ziehen wesentlich besser als pummelige bolivianische Teenager. Als ich mal für eine katholische Hilfsorganisation einen Flyer betextet habe, kam vom frommen Auftraggeber der Wunsch, doch bitte die dicke Tochter der vorgestellten Familie aus dem Bild zu schneiden. So erschien der Flyer am Ende nur mit der dünnen Tochter. Dicke Kinder, so der Auftraggeber, würden die Spendenbereitschaft bei den Angeschriebenen senken.
Gestern Abend fand ich in meinem Briefkasten eine Postkarte aus Mallorca. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sie sich als Werbung der DKMS. Mit einer Schriftart, die eine Handschrift simulieren soll, schrieb mir eine 15jährige genesene Betroffene. Wie gut es ihr ginge, solle ich mir in Internetvideos aus dem Urlaub ansehen. Sorry, liebe DKMS, aber ich hätte euch von einem solchen Mailing abgeraten. Generell bin ich sehr kritisch, wenn es um Werbung mit minderjährigen Personen geht. Was stellt denn das Versenden dieses Mailings dar? Eine 15jährige schreibt einem 31jährigen, er solle sich doch mal ein paar Internetvideos von ihr ansehen. Geht’s noch? Da wurde einfach nicht zu Ende gedacht.
Ebenso verschrecken mich ellenlange Anschreiben wie die von Ulrich Wickert für irgendein Kinderhilfsprojekt. Da ich selbst schon unzählige Anschreiben getextet habe, weiß ich genau, wie der Scheiß zustande kommt. Ein Auftraggeber nimmt Geld in die Hand, um eine Postwurfsendung zu finanzieren. Er denkt sich: „Wenn ich schon so viel Geld investiere, muss es sich ja auch lohnen.“ Und dann hämmert er drei Millionen Infos ins Mailing, ob sie nun relevant sind oder nicht. Diesen Stümpern kann ich nur zurufen: Denkt an den Panda! Es ist völlig unwichtig, wie die finanzierte Schule heißt, wie viele Klassenzimmer sie hat, wie die Lehrerinnen alle heißen und wie viele Instrumente im Musikzimmer herumliegen. Das interessiert keine Sau! Rein muss nur das, was Spenden generiert. Wie oft habe ich schon teure Anschreiben ungelesen weggeworfen, weil mich einfach nur die Bleiwüste abgeschreckt hat?
Zum Abschluss möchte ich noch einige Worte über Großflächenplakate verlieren. Das sind die Plakatwände da draußen, die angeblich niemand sieht. Häufig sieht man äußerst kryptische Motive diverser Hilfsorganisationen, besonders von Greenpeace und WWF. Der Hintergrund: Große Agenturen bieten den Organisationen die Motive gratis an, um damit an Awardshows (Wettbewerbe für Werber) teilzunehmen. Denn nur Motive, die tatsächlich geschaltet wurden, dürfen eingereicht werden. Im Idealfall haben alle was davon, und zwar dann, wenn die Motive gut sind. Wenn sie aber nur von bekifften Werbern verstanden werden, sind sie schlicht reine Zeitverschwendung.
Fazit: Der gesunde Menschenverstand ist immer noch die beste Voraussetzung für erfolgreiche Werbung. Cheers.






