Sebastian, den ich bereits in meinem Buch »Vom Schisser zum Glückspilz« erwähnt habe, hat sich für den kommenden Sommer eine entspannte Alpenüberquerung vorgenommen. Um dieses Unterfangen einigermaßen vorbereitet anzugehen, möchte er am Wochenende mit mir durch die Gegend wandern. Nun ja, eigentlich habe ich nichts dagegen einzuwenden. Nur: In den letzten anderthalb Jahren bin ich kaum noch gelaufen. Zwanzig Kilometer würde ich wahrscheinlich noch schaffen, aber nicht gleich an zwei Tagen hintereinander. Wenn überhaupt, dann mit Ach und Krach. Dabei wäre es beinahe anders gekommen, und ich wäre fit wie ein Turnschuh gewesen.
Für den August 2011 hatte ich eine Durchquerung Japans vom nördlichsten Punkt Hokkaidos bis zur Südspitze von Kyushu geplant. Knappe dreitausend Kilometer in einem halben Jahr. Die vorgenommene Strecke führt mitten durch Sendai und Fukushima an der Ostküste entlang. Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen von einem Erdbeben der Stärke 9,0 vor der japanischen Ostküste gehört. Nach etwa drei Tagen stoischen Ertragens der Bilder und Geräusche habe ich endgültig beschlossen, den Plan aufzugeben. Für die nächsten dreißig, wenn nicht gar zwanzigtausend Jahre, wird die Strecke so nicht mehr begehbar sein. Grundsätzlich würde ich eine Durchquerung Japans irgendwann noch einmal in Angriff nehmen, allerdings nicht in nächster Zeit.
Im Sommer werde ich meinen jetzigen Arbeitgeber verlassen und zu einer anderen Agentur wechseln. Damit werde ich in absehbarer Zeit keine Gelegenheit haben, eine halbjährige Auszeit einzulegen. Was auch völlig in Ordnung geht. Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation wollte ich mit der Japan-Aktion Spenden sammeln, aber diese Unterstützung blieb enttäuschenderweise aus. Als Marketing-Typ kann ich nur kopfschüttelnd anmerken, dass viele Organisationen (wahrscheinlich nicht nur in Deutschland) Spenden als selbstverständlich nehmen. Und ja, viele Spender sehen Spenden als selbstverständlich an. Aber gerade deshalb würde ich doch als Organisation jedem Spender eine große Wertschätzung entgegenbringen, anstatt sie als Cash Cows zu sehen, die man mit Mailings und TV-Spots weiter melken möchte. Nicht nur bei Joghurt und Bier, auch bei Hilfsorganisationen merke ich als Medienkonsument doch, ob sie mich als Menschen ernst nehmen oder als Geldbörse sehen. Bevor ich mich jetzt in Rage schreibe, belasse ich es dabei und werde die Unterstützung für eine Organisation einstellen – aufmerksame Beobachter werden bemerken, welche gemeint ist. Die Spenden gehen an eine andere Organisation; an welche, werde ich in einem hochkomplexen Auswahlverfahren festlegen. Mit einer Expertenkommission. Normal.
Falls ich mit Seb wandern gehen sollte, werde ich ein paar Bilder hochladen. Vielleicht sogar ein Video. Aber nur … vielleicht.





