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Danke

Juni 21st, 2013 Posted by Einbürgerung, Hamburg 2 comments

Als ich das erste Mal über die Einbürgerung nachdachte, stellte ich mir die Frage: Was ist dieses Deutschland überhaupt? Logisch, was ist denn so geil an diesem Merkel-Land, Hartz IV, Scheißwetter, diesen pöbelnden Mallorca-Touris?

Witzigerweise war ich nicht der Einzige, der sich das fragte. Auch viele Freunde und Bekannte konnten es einfach nicht verstehen: Das Land der Sushiröllchen und Kirschblüten hinter sich lassen, um Deutscher zu werden? What the fuck?!

Nun ja, das halte ich für etwas kurz gesprungen. Glaubt irgendjemand von euch, japanische Politiker seien auch nur einen Deut besser als deutsche? Die blöden Nationalisten, die jedes Jahr zum Yasukuni-Schrein pilgern, Kriegsverbrechen leugnen, einfach nur Scheiße über Scheiße erzählen? Schaut euch doch mal die Handlungen nach Fukushima an. Ein AKW explodiert, aber hey, wir gehen weiter arbeiten und schauen mal, was passiert. Und dann immer schön auf Konfrontation mit den Nachbarn gehen, anstatt mal Stabilität und Frieden in Ostasien zu schaffen.

Kurz gesagt, es dampft überall die gleiche Kacke. Die Staatsbürgerschaft betrifft allein die Frage: Wo befindet sich dein Lebensmittelpunkt? Wo ist dein Herz zu Hause? Rein geografisch betrachtet, nicht idealistisch, nicht nationalistisch. Für mich machen weder Merkel noch Schnitzel, weder Nazis noch die Bahn, weder missratene Rentenpolitik noch Junggesellenabschiede Deutschland aus. Mein Deutschland besteht aus den Möglichkeiten, die meiner Familie und mir gegeben wurden. Mein Deutschland besteht aus treuen Freunden, schrägen Kollegen und vielen lustigen Bekannten. Mein Deutschland besteht aus der wunderbar bescheuerten Sprache, aus der sich so viel formen lässt. Und mit der ich mein ausuferndes Jetsetleben finanziere.

Einbürgerungsurkunde

Bin ich stolz, ein Deutscher zu sein? Nö. Ich bin stolz, solche Freunde zu haben, dass ich mich hier zu Hause fühle. Dass ich mich bestens gelaunt von meinem japanischen Pass trennen konnte. Ich bin stolz auf meine Eltern, dass sie nicht nur meinen Arsch in die Welt gesetzt haben, sondern auch hinter meiner Entscheidung stehen. Und ich bin stolz, eine Frau gefunden zu haben, die mich trotz ihres fantastischen Aussehens heiraten möchte. Irre. Deutschland, lass dich feiern.

Einbürgerung: Ich werd’ ma’ deutsch

Februar 15th, 2013 Posted by Einbürgerung 2 comments

So, der Einbürgerungsantrag ist gestellt. Ging alles ganz entspannt vonstatten, der Sachbearbeiter im Hamburger Einwohnerzentralamt war sympathisch und freundlich.

Zunächst fragte er mich nach der Checkliste, auf der die Kollegin die notwendigen Unterlagen angekreuzt hatte. Anschließend händigte ich ihm meinen vollständig ausgefüllten Antrag und die Kopien aus. Von den Originaldokumenten, die ich allesamt mitgenommen hatte, erfragte er die Geburtsurkunde. Den Antrag hätte ich nicht kopieren brauchen, das vielleicht zur Info für alle, die etwas Ähnliches vorhaben.

Danach durfte ich mit einem Formular zur Zahlstelle des Amts, übergab meine 255 € in bar und dem Sachbearbeiter die Quittung. Das war’s. Prognose: Dauer etwa sechs Monate, je nach Sachlage auch länger, die Wahrscheinlichkeit der Einbürgerung liegt bei 99 Prozent, da keine Hinderungsgründe vorliegen. Das restliche Prozent liegt an mir – sollte ich in den nächsten Monaten in ein afghanisches Terrorcamp gehen, dürften meine Chancen schwinden.

Übrigens erzählte mir der Sachbearbeiter einige Anekdoten, etwa dass er in den letzten zehn Jahren seiner Tätigkeit lediglich eine einzige Person mit japanischer Staatsangehörigkeit beraten hat. Eine junge Frau, die in Deutschland aufgewachsen ist. Als er ihr jedoch die Tatsache mitteilte, dass sie ihre japanische Staatsangehörigkeit aufgeben muss, sprang sie auf und verließ sofort das Büro. Wie uninformiert doch manche in so ein Gespräch gehen.

Tatsächlich ist es so, dass nur sehr wenige Japaner die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. In einem Internetforum habe ich gelesen, dass Japaner zu stolz dafür seien. Also sorry, echt jetzt, abgesehen davon, dass ich Nationalstolz nichts abgewinnen kann, wer seine Identität über fremde Menschen definiert, die zufällig im selben Land leben, der ist in meinen Augen mental instabil. Wie dem auch sei, ich freu mich, dass der Papierkram erledigt ist. Jetzt heißt es nur noch abwarten und Bier trinken, wie es sich für einen echten Deutschen gehört. Ha!

Vom Japaner zum Deutschen in anderthalb Etappen

Januar 15th, 2013 Posted by Einbürgerung, Hamburg No Comment yet

Er ging durch die Presse, dieser „Migrationshintergrund“. Hintergrund. Keine Ahnung, was die Erfinderin oder der Erfinder dieser Wortkreation damit erreichen wollte. Jeder, der in meine japanische Fresse guckt, weiß doch: Der ist kein reinrassiger germanischer Recke, von Hintergrund kann absolut keine Rede sein. Aber lassen wir dieses amtsdeutsche Geschwurbel und wenden uns der Realität zu.

Viele meiner Mitmenschen glauben, dass man automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhält, wenn man in Deutschland geboren wird. Wenn man mal eine Minute darüber nachdenken würde, könnte man eventuell darauf kommen, dass das absoluter Quatsch sein muss. Stellt euch vor, ein französisches Ehepaar machte Urlaub in Dänemark und auf der Rückfahrt bekäme die Mutti überraschend nahe Bremen ihr Kind. Wieso sollte das Kind einen deutschen Pass bekommen? Eben.

Nun denn, ich besitze seit meiner Geburt die japanische Staatsangehörigkeit. Zwar bin ich in Gelsenkirchen geboren, aber meine Eltern dachten damals: Falls der Sohnemann eventuell doch mal wieder nach Japan zurückkehren würde, hätte er es mit einem japanischen Pass leichter. Es hätte auch durchaus sein können, dass die ganze Familie wieder zurück nach Japan geht – ein deutscher Sohn hätte einen nicht gerade dezenten Papierkrieg ausgelöst.

Meine Eltern sind geblieben. Und ich sowieso. Durch gewisse Umstände und meine anstehende Hochzeit begann ich letztes Jahr, mich mit der Thematik Einbürgerung zu beschäftigen. Bei Weltmeisterschaften laufe ich sowieso im Deutschland-Trikot durch die Gegend, wieso also nicht Deutscher werden? Deutscher mit Migrationshintergrund, versteht sich. Während ich die deutsche Gesellschaft einschätzen kann, die deutsche Politik verfolge, deutsch denke und träume, kann ich mit der japanischen Mentalität überhaupt nichts anfangen. Die sehen aus wie ich (ein bisschen schlechter vielleicht), aber sind völlig anders. Und leben möchte ich dort drüben sowieso nicht, das wäre der Alptraum. Also habe ich mir einen Flyer von der Hamburger Einbürgerungs-Website heruntergeladen, in dem alles beschrieben wird: die Prozedur, die Bedingungen, das ganze Pipapo.

Gut acht Voraussetzungen sollte man erfüllen. Beispielsweise muss man seit acht Jahren den festen Wohnsitz in Deutschland haben. Sprachkenntnisse sollte man auch mitbringen – und entsprechend nachweisen können, sei es durch einen Test oder einen Schulabschluss. Zudem erhöhen sich die Chancen für eine Einbürgerung massiv, wenn man eine strafrechtlich weiße Weste vorweisen kann. Ergänzend sei erwähnt, dass man nicht alle Voraussetzungen zu hundert Prozent erfüllen muss.

Letztens war ich in der Einbürgerungsabteilung des Einwohnerzentralamts und habe ein Vorbereitungsgespräch geführt. Dabei wurden mir kurze Fragen gestellt, etwa zum Schulabschluss, zur familiären Situation, zu den Personalien. Da ich sämtliche Voraussetzungen über alle Maßen erfülle und zudem eine äußerst unkomplizierte Vita aufweise (Abitur, Wohnung, festes Einkommen, in Deutschland geboren, keine Schulden, unverheiratet, keine Kinder, keine Vorstrafen), sagte mir die sehr freundliche Sachbearbeiterin eine problemlose Einbürgerung voraus. Tatsächlich muss laut Gesetz der Antragsteller eingebürgert werden, wenn keine Hinderungsgründe vorliegen und sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind. Demnach bin ich bald kein Japaner mehr. Irre, was? Nach dem Gespräch musste ich einen separaten Termin für die Antragstellung mit einem Kollegen ausmachen. Dieser Termin wurde nun für Mitte Februar angesetzt, da der werte Herr erst einmal in Urlaub fährt.

Der ganze Spaß kostet übrigens 255 Euro. Soweit ich informiert bin, ist der Perso nicht inbegriffen. Ich bin mal gespannt, wie lange das Ganze letztendlich dauert. Der Kollege, der jetzt in Urlaub fährt, nannte mir eine Mindestdauer von sechs Monaten. Das halte ich persönlich ja für völlig überzogen, aber nun gut. Die müssen ja auch erst einmal alle Behörden abklappern, beispielsweise das Einwohnermeldeamt, das Finanzamt, den Verfassungsschutz und die Polizei. Ich werde weiterhin in völlig willkürlichen und unregelmäßigen Abständen berichten.