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Die Barriere in uns

Juli 9th, 2015 Posted by Gedanken No Comment yet

Gerade eben habe ich auf Facebook ein Video über Zivilcourage gesehen. Wieder einmal. Auf der Straße wurde getestet, wie schnell hilfsbedürftigen Menschen geholfen würde.

Es ist einfach, mal eben ein Video zu teilen. Schwieriger wird es, wenn man selbst in eine vergleichbare Situation gerät. Eine Mutter müht sich mit ihrem Kinderwagen ab. Ein Mensch wird von einer Gruppe bedrängt. Ein Tourist mit einer Karte in der Hand blickt sich suchend um.

Viele Menschen gehen einfach weiter. Das wird sich auch niemals ändern, egal wie viele Videos wir teilen. Fakt ist, dass ein bedauernswert erheblicher Teil unserer Spezies nicht die hellsten Birnen im Lampengeschäft sind. Allerdings gibt es darüber hinaus viele, die gern helfen würden, sich aber nicht überwinden können. Diese Menschen müssen erst lernen, die innere Barriere zu überwinden.

Ich habe es auf dem Jakobsweg gelernt. Dort musste ich mich ständig entscheiden, und irgendwann war ich zu faul oder zu erschöpft zum Nachdenken. Mein Bauchgefühl hat mich dabei nie im Stich gelassen. Heute handle ich ganz automatisch, wenn ich meine, gebraucht zu werden. Ich muss einfach. Hauptsächlich deshalb, weil es mir hinterher wahnsinnig auf den Sack gehen würde, hätte ich nur zugesehen.

Applaudiert hat mir noch niemand. Von mir existiert auch kein tolles Video, das geteilt wird. Aber für viele kurze Momente war ich für einen Menschen die Person, die ihm den Glauben an das Gute erhalten oder zurückgegeben hat. Und das ist doch nicht das Schlechteste.

Das wird mir jetzt zu persönlich

Februar 6th, 2015 Posted by Gedanken No Comment yet

Vor gut anderthalb Jahren folgten mir auf Twitter vielleicht 120 Accounts. Viele kannte ich persönlich. Das war damals noch möglich, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Mittlerweile ist die ganze Sache ein wenig eskaliert.

Es ist verpönt, sich über viele Follower zu freuen. Aber ich freue mich über meine, denn sie sind zu einem großen Teil aktiv, witzig und herzlich. Gerade wenn jemand Hilfe benötigt, zeigt sich der Vorteil aktiver Follower. Andererseits wird es für mich immer schwieriger, persönliche Kontakte zu knüpfen. Und um ehrlich zu sein, ich will es nicht. Nicht unbedingt.

Twitter lebt von der Anonymität. Hier kann jeder die Identität annehmen, die er sich für diesen Mikrokosmos wünscht. Persönliche Banden führen nur zu falschen Verpflichtungen, Differenzen. Ich bin nicht besonders anonym, nirgendwo. Es ist ein Leichtes, mich ausfindig zu machen. Ich mag es aber nicht, mich mit Menschen zu unterhalten, die meinen, mich zu kennen. Deshalb möchte ich die Distanz wahren.

In den letzten Tagen fanden in meiner Timeline so viele Streitereien statt, dass es mich zeitweise vom Twittern abgehalten hat. Es war einfach nicht mehr lustig. Und wenn es das nicht mehr ist, wo bleibt der Sinn? Klar habe ich meine Meinung zum lächerlichen Thema Analogbotschaft. Aber die ist fast so relevant wie ein Haufen Hundescheiße im Westpark. Jeder meint, seinen scheiß Senf dazugeben zu müssen – gerade die Unbeteiligten. Als ob es im echten Leben nicht schon genügend Gräben gäbe.

Etwa drei Prozent der deutschen Bevölkerung twittern. Wenn ich großzügig davon ausgehe, dass von den Followern zehn Prozent noch aktiv sind, erreicht ein Account mit 20.000 Followern mit einem Tweet direkt 2000 Accounts. Das sind stolze 0,002 Prozent der deutschen Bevölkerung. Wer sich angesichts dieser Zahlen etwas auf seinen Twitteraccount einbildet, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

Bleibt es dabei?

Januar 27th, 2015 Posted by Gedanken No Comment yet

Wann hat es sich eingeschlichen?

Früher, als wir Termine fest vereinbart haben. Montag, 17 Uhr. Haben wir uns gegenseitig angerufen und uns noch einmal vergewissert, dass es dabei bleibt? Eine Stunde vor der Verabredung?

Bleibt es dabei?

Da trägst du dir Termine im Kalender ein. Hältst dir einen Nachmittag frei. Koordinierst deine Jobs so, dass alles passt. Und dann trudelt eine SMS ein, ja, eine SMS.

Bleibt es dabei?

Die Absicherungswut hat uns erfasst. Weil wir uns an die Dauerverfügbarkeit gewöhnt haben. Termine werden spontan abgesagt, weil jemand sich nicht gut fühlt.

Bleibt es dabei?

Wie selbstverständlich wüten wir in den Tagesabläufen unserer Mitmenschen, nur weil uns jahrelang eingetrichtert worden ist: Lebe dein Leben, du bist der Wichtigste.

Soll es so bleiben?

Oder erobern wir uns ein Stück Stabilität zurück? Das Gefühl, ein Versprechen zu halten und zu erhalten. Lass uns zu einem Kaffee treffen. Am nächsten Montag, 17 Uhr.

Es bleibt dabei.