Edmund Gerald „Jerry“ Brown, Jr. ist ein bemerkenswerter Mann. Nicht, weil er der bis dato jüngste Gouverneur Kaliforniens war, sondern mit seiner zweiten Amtszeit auch der älteste Gouverneur Kaliforniens ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der ja für republikanische Verhältnisse durchaus respektable Ziele verfolgte, raucht er aber nicht nur den ganzen Tag und schwängert irgendwelche Hausangestellten (wie herrlich polemisch ich doch sein kann). Nein, er hat ein wichtiges Gesetz verabschiedet. Der typisch US-amerikanische Name: „Dream Act“.
Demnach werden Kinder illegaler Einwanderer unter bestimmten Bedingungen (die in diesem Artikel nicht genannt werden) mit staatlichen Mitteln gefördert, wenn sie an die Uni wollen. Der texanische Gouverneur Rick Perry (Republikaner) hat ähnliches vor und vergrätzt damit momentan die Ultrarechten in seiner Partei. Aber die haben von Grenzproblemen und Mexiko und dem ganzen Kladderadatsch keine Ahnung, also klammern wir sie mal stumpf aus.
Meine Meinung dazu: Ich bin zwar nicht unbedingt der treueste Freund davon, an der Spitze des Eisbergs herumzukraxeln, während unten die Bombe tickt. Trotzdem finde ich es einfach nur richtig, Potenziale zu fördern, anstatt sie zu ignorieren. Jerry Brown hatte sicherlich nicht einfach nur soziale Interessen im Kopf, als er sich gemeinsam mit seinen Mitarbeitern das Gesetz erdachte. Mit dem Dream Act werden gleich mehrere Probleme gelöst oder zumindest abgemildert:
1.) Ohne Einwanderer wäre die USA ein ziemlich leeres Fleckchen Erde. Sie zu fördern ist eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Besiedlung.
2.) Nutzung der Potenziale, wie bereits oben angerissen.
3.) Rechtzeitige Vermeidung einer Parallelgesellschaft. Mit einer Ausgrenzungspolitik schaffe ich Probleme, wie ich sie hier in Deutschland mit den türkischen Einwanderern geschaffen habe.
4.) Hilfe zur Selbsthilfe. Der Staat schafft stabilere Strukturen unter den zugewanderten Familien, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann selbst Arbeitsplätze schaffen (und nicht wegnehmen, wie Gegner des Gesetzes behaupten) und folgt damit auch wirtschaftlichen Interessen.
Apropos Gegner. Diese weisen auf die Gefahr hin, mit dem Gesetz würde man illegale Einwanderer motivieren, nach Kalifornien zu kommen. Haben sich diese Menschen einmal die Zustände auf den mexikanischen Bahnhöfen oder an den Grenzen angesehen? Die Einwanderer riskieren bereits Kopf und Kragen, im Staat Kalifornien leben 35,9 Prozent Hispanics, ein Viertel aller Kalifornier stammt aus Mexiko (Quelle). Sie fallen von Zügen, verrecken in der Wüste, lassen ihre Familien zurück. Eine Uni-Förderung ist ja schön und gut, aber ich denke nicht, dass auch nur ein einziger Mensch deswegen extra in die USA aufbricht.
Aus den Staaten hören wir immer nur über Abschottungen und Ausgrenzungen. Insofern nehme ich die aktuelle Nachricht wohlwollend zur Kenntnis und bin gespannt, wie sich das Ganze in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird. 2041 werde ich dann ein Fazit bloggen, bis dahin empfehle ich, täglich hier vorbeizuschauen.





