Einer muss immer das letzte Wort haben. Auf meinem Blog bin ich das. Jemand von der Smart-Agentur InterOne oder seinem Umfeld meint, die Kommentarfunktion sei fürs Trollen gedacht. Dem ist aber nicht so. Als ausgewiesene Online-Experten sollte man wissen, dass man überall seine IP-Adresse hinterlässt. Wenn man also anderer Meinung ist als ich, sollte man nicht so lange herumpöbeln, bis ich die IP-Adresse und den Absender veröffentliche. Nur so als allgemeine Verhaltensregel in Blogs. Die Smart-Geschichte ist für mich hiermit erledigt. Damit meine ich, dass sich jeder sein eigenes Urteil bilden soll. Alle weiteren Kommentare des anonymen Trolls aus Berlin werden gelöscht.
Nachtrag 16. November 2011:
Die Wogen scheinen sich zu glätten, nachdem sie ganz schön aufgetürmt sind (siehe z. B. Kommentare unter diesem Eintrag). Die Friedensverhandlungen laufen und gestalten sich hoffnungsvoller als die im Nahen Osten. Immerhin.
Originalartikel:
Vielleicht liegt es an der fehlenden Rückbank. Vielleicht aber auch an fehlendem Hirnschmalz. So oder so, mit einem an sich netten Gewinnspiel auf Facebook hat Smart Deutschland es geschafft, Kinder in Not zu beleidigen, engagierte Helfer zu verärgern und viel mehr Gegner zu gewinnen als neue Freunde.
Die Geschichte dazu ist schnell erzählt: Vor einiger Zeit fragte Roman vom Millionentausch verschiedene Pkw-Hersteller, ob sie bereit wären, einen Neuwagen gegen die Ägyptenreise zu tauschen. Wie auch zahlreiche andere Hersteller schickte Smart eine höfliche Absage. Allerdings wurde Roman auf ein Gewinnspiel aufmerksam, das Smart auf Facebook veranstalten wollte. Dort konnte man ein Smart ForTwo für 99 Euro gewinnen – also der Gewinner sollte die Möglichkeit bekommen, den Smart für 99 Euro zu kaufen. Im darauffolgenden Fotowettbewerb setzten sich fünfzig Bilder durch, die danach von einer Jury gesichtet wurden. Schon da gab es einige Ungereimtheiten, da die Wettbewerbsregeln teils nicht eingehalten wurden und es zusätzlich Probleme bei der Stimmabgabe gegeben haben soll. Jedenfalls kürte die Jury ein hübsches Bild zum Sieger, aber eben nicht das von Roman. Bis hierher ist alles in Ordnung. Zwar schade, aber das Siegerbild ist wirklich schön und hat es verdient.
Nun aber lobte Smart Trostpreise für drei weitere Beiträge aus. Auch Romans Bild sollte einen Trostpreis bekommen. Ich kenne Roman und halte ihn für einen bedachten, geduldigen und verständnisvollen Menschen. Er ist niemand, der schnell ausrastet, cholerisch herumspringt und Leute schlägt. Wenn dieser Roman also sauer wird, dann hat das einen triftigen Grund. So einer kann sein, das soziale Engagement einiger kleiner Fische, die nie Tennis gespielt, geboxt oder irgendeinen Scheiß moderiert haben, zu ignorieren. So einer kann sein, trotz klarer Befürwortung der Mehrheit einen anderen Beitrag zum Sieger zu erklären. Aber so einer darf nicht sein, ein Projekt für misshandelte Kinder und Gewaltprävention ins Lächerliche zu ziehen. Genau das haben die Marketingmenschen von Smart getan. Indem sie einerseits sein soziales Engagement loben (es aber nicht unterstützen), aber gleichzeitig Mitte November jemandem, der sich von zwei Steinen zu einer einwöchigen Luxus-Ägyptenreise hochgetauscht hat, zwei Werbe-Sonnenliegen anbieten und schreiben, diese wären „bestimmt zum Tauschen brauchbar“ (sic!).
Aus Marketingsicht könnte ich hier schon etliche Punkte anführen, wieso das ein absolutes Desaster für die Marke ist. Es wäre ein Einfaches gewesen, „ausnahmsweise“ einen weiteren Smart zu spendieren. So wären alle glücklich gewesen und hätten Smart als warme, menschliche Marke wahrgenommen, die sich wirklich Gedanken um ihre Kunden macht. Und es hätte nicht einmal besonders viel gekostet. Die Smart-Fahrer von heute sind vielleicht die Mercedes-Fahrer von morgen. Ein wenig Investment hätte sich gelohnt. Oder wo genau hätte das Problem gelegen, stattdessen einen 99-Euro-Gutschein für Amazon springen zu lassen, passend zum Thema? Wäre nicht viel gewesen, aber doch nicht so ungeschickt wie zwei Werbeartikel, die auch noch null in diese Jahreszeit passen. Stattdessen haben sie damit über 1000 Millionentausch-Freunde (so viele erreicht Roman inzwischen mit einem einzigen negativen Posting über Smart) verprellt. Darunter sind viele, die mit der Stiftung Hänsel+Gretel zu tun haben und tagtäglich mit missbrauchten und/oder misshandelten Kindern zu tun haben. Muss das alles für sie nicht klingen wie Hohn? Was ist von einer Marke zu halten, die so wenig Sensibilität beweist bei einem so eindeutigen Thema wie Kindesmissbrauch?
Ich für meinen Teil bin von Smart schwer enttäuscht. Weil die Marke gezeigt hat, dass sie nur eine Marke ist – und die Idee der sozialen Medien definitiv nicht verstanden hat. Und was die fehlende Rückbank angeht: Ist doch prima für die Marketingexperten bei Smart. So müssen die Kinder nicht mitkommen, und die asozialen Erwachsenen können schön unter sich bleiben.
Heute schon etwas Gutes getan? Ja? Lust, mit vier Klicks ein bisschen mehr zu tun? Folgendes: Smart verlost einen Smart. Dazu gibt es ein Foto-Wettbewerb, und der Millionentausch für die Stiftung Hänsel + Gretel (gegen Kindesmissbrauch) macht mit. Und so einfach helfen Sie – mit nur vier Mausklicks:
Das Ziel: Eine Million Euro für Kinder in Not. Eine stattliche Summe, die nicht einfach irgendwo in einem Hamburger Brunnen herumliegt. Oder doch? Roman Jonsson und Marcin Baba sagen: Ja. Aber nur indirekt. Vor 15 Monaten startete die Aktion Millionentausch für die Stiftung Hänsel + Gretel. Christoph Metzelder, myToys.de und Ültje haben schon mitgemacht. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, der eine Woche Ägypten all inclusive gebrauchen kann – als Geschenk, als Erholungsurlaub oder als Motivationshilfe für die Angestellten. Das Interview führte ich am 19. September 2011 per Skype-Chat. Es ist nicht nur ein Meilenstein der Interviewtechniken geworden, sondern auch einer der Interviewantworten. Zwei Meilensteine. Wie zwei Kieselsteine. Kein Zufall. Viel Spaß beim Lesen:
Maori: Ahoi Roman. Über ein Jahr ist es her, dass Marcin und du den Millionentausch gestartet habt. Wie schätzt du den bisherigen Verlauf und die allgemeine Resonanz ein?
Roman: Gut, aber noch nicht welthitverdächtig. Gut ist: 1000 Fans auf Facebook, jede Menge Blogleser, jede Menge Klicks auf YouTube. Aber – um es mal mit den Worten der FDP zu sagen – da ist noch Luft nach oben. :)
Maori: Wobei die FDP erst aus dem Wasser auftauchen muss, bevor überhaupt an Luft zu denken ist. Ist Marcin noch involviert oder betreust du das Projekt zurzeit allein?
Roman: Nein. Marcin ist überhaupt nicht mehr involviert. Er was es nur kurz, ganz am Anfang. Vor allem, als es ums Layout ging. Die Sache mit den Texten und die Sache mit dem Tauschen und die Sache mit dem Organisieren und die Sache mit den sozialen Netzwerken – die wollte er lieber mir überlassen. Und dann ist er ja auch ziemlich schnell in die Schweiz ausgewandert.
Maori: Da kann er ja mal Millionentausch.ch ins Leben rufen, so als Ableger. Wie dem auch sei, hast du je wieder was von den bisherigen Tauschern gehört? Was aus der Schampusflasche, der Kamera oder ganz besonders den zwei Startsteinen geworden ist?
Roman: Da wäre er ein bisschen spät dran. In der Schweiz hat jemand schon ein ähnliches Projekt ins Leben gerufen. Es heißt aber Tauschmillion(är). Von den anderen höre ich ab und zu. Metzelder hat den DFB-Pokal gewonnen. Tim Tigges ist nach Südafrika ausgewandert.
Die Steine liegen als Altersvorsorge im Safe von Thomas. Die Kamera wollte Christoph Metzelder dem TuS Haltern schenken – für deren Onlineprojekt. Über die Schampusflasche weiß ich nix. Aber eine innere Stimme sagt mir: Sie ist leer. :)
Maori: Wenigstens einer, der was zu feiern hatte. Obwohl, beim Millionentausch gab es ja auch einige herrliche Momente. Einige davon wurden ja als Video veröffentlicht. Welche deiner zahlreichen Reisen waren besonders nett, besonders motivierend?
Roman: Wow. Du bist die Arabella Kiesbauer des Skype-Journalismus. Was für eine Überleitung. :) Aber die Reisen waren alle spannend. Hab’ immer interessante Menschen getroffen. Und bei allen war es so ein Weihnachtsgefühl. Als hätte jemand mit dem Glöckchen geklingelt – und der Weihnachtsbaum mit den Geschenken steht am anderen Ende der Republik. Motivierend waren sie also alle. Aber auch verpflichtend. Jeder neue Tausch bedeutet ja: Es steht eine neue große Aufgabe an.
Maori: Inzwischen sind wir bei einer traumhaften Ägyptenreise für zwei Personen angekommen. Spinnen wir doch mal ein wenig herum, wer als Tauschpartner in Frage kommt. Die letzten Tauschpartner waren Unternehmen. Hast du schon ein paar Ideen, was ein weiteres großzügiges Unternehmen mit einer Zwei-Personen-Ägyptenreise anfangen könnte?
Roman: Damit könnte man jede Menge anfangen. Entweder man ist als Chef selbst urlaubsreif und fährt hin. Oder man verlost die Reise unter seinen Angestellten. Vielleicht gibt es ja auch einen, der sich extrem für das Unternehmen eingesetzt hat – und eine tolle Belohnung bekommen sollte. Aber natürlich könnte ein Unternehmen die Reise auch an seine Kunden verlosen. Die Möglichkeiten sind endlos. Mit „Hätte“, „Wäre“ und „Könnte“ könnte ich noch stundenlang weiter jonglieren. Was würdest du denn deinem Chef raten, wenn er die Reise ertauschen würde? Rumspinnen finde ich übrigens gut. Auch wenn das mit ’ner strukturierten Antwort nix mehr zu tun hat. Aber darum kümmert sich dann der Herr Interviewer, oder? Nicht, dass ich das neue Interviewdummchen der Nation werde. Hab’ ich jetzt meinen Interviewpartner kaputt gemacht? Och Menno!
(Stille.)
Maori: War gerade Mittag machen. :) Als Belohnung für einen besonders engagierten Mitarbeiter finde ich die Reise hervorragend geeignet. Bald ist doch auch Weihnachten, oder? Was gibt es Schöneres, als auf einer Weihnachtsfeier unter den treuen Angestellten eine schöne Ägyptenreise zu verlosen? Damit meine zehn Millionen Leserinnen und Leser einen kleinen Orientierungspunkt haben: Wie viel ist die Ägyptenreise wert?
Roman: Ich dachte, du wärst schon bei 11 Millionen Lesern? Na ja, egal: Die Reise kostet mindestens 2500 Euro. Eher ein bisschen mehr, weil ja wirklich alles inklusive ist. Mit Hin- und Rückflug. Ich finde das einen guten Vorschlag mit der Verlosung auf der Weihnachtsfeier. Schlag das deinem Chef doch bitte mal vor.
Maori: Was ich an der Reise gut finde: Der Wert sinkt nicht wie beispielsweise bei Unterhaltungselektronikgeräten (Scrabble-Gewinnerwort). Sind schon einige interessante Tauschvorschläge eingegangen?
Roman: Aua. Da triffst du den wunden Punkt.
Maori: Also ja, welche denn? Ähm, okay. An dieser Stelle sollte sich jeder einmal fragen: Habe ich etwas Schönes zu tauschen und dringend Urlaub nötig? Gut. Was waren denn bisher die abstrusesten oder kuriosesten Tauschvorschläge?
Roman: Hmm. Die liegen schon ein Weilchen zurück. Je höher der Wert, desto weniger Tauschvorschläge trudeln bei mir ein. Am Anfang wurde mir mal ein altes, schimmeliges Sofa für die beiden Kieselsteine angeboten. Und eine Porzellanpuppe. Und eine alte Autogrammkarte von Stefan Raab.
Maori: Wobei ja jemand schon mal eine Autogrammkarte von Ansgar Brinkmann bis zu einem Auto hochgetauscht hat. Aber das Auto war weniger wert als die Ägyptenreise, insofern hast du es ja schon mal weiter gebracht. Kommen wir einmal zur wichtigen Arbeit der Stiftung Hänsel + Gretel gegen Kindesmissbrauch. Wieso gerade die, außer dass Scholz & Friends bereits für die Stiftung gearbeitet hat?
Roman: Als ich noch bei S&F gearbeitet habe, habe ich auch ab und zu etwas für Hänsel + Gretel gemacht. Ich kannte also die schwierige Arbeit, der sich die Kinderschutzstiftung stellt. Das muss man einfach unterstützen. Außerdem ist die Idee entstanden, als wir über die Stiftung Hänsel + Gretel gesprochen haben. Damals trat die Stiftung unter dem Motto „Kindesmissbrauch ist kein Märchen“ auf. In dem Zusammenhang habe ich mich mit Marcin über das Märchen von Hans im Glück unterhalten. Der tauscht einen Klumpen Gold, bis zwei Kieselsteine dabei herauskommen. Da fiel dann der Sat: „Hätte er es mal besser umgedreht gemacht.“ Zack – war die Idee geboren.
Maori: Die ich übrigens klasse und unterstützenswert finde. Verfolgen die Menschen bei Hänsel + Gretel die Aktion? Wie fiel und fällt die Resonanz von dieser Seite aus?
Roman: Hänsel + Gretel findet die Aktion klasse. Sie waren von Anfang an begeistert und haben dieses ganze Experiment immer wohlwollend zugelassen. Das ist ja nicht selbstverständlich. Immerhin kann es ja sein, dass das mit der Million nicht klappt. Wer weiß, vielleicht kommen nur 900.000 Euro zusammen? :)
Maori: Ich glaube ja, dass Stiftungen wie Hänsel + Gretel von solchen originellen Aktionen sehr viel mehr haben als „nur“ die Summe, die unterm Strich stehen wird. Du bist inzwischen nicht mehr bei Scholz & Friends; wie sieht die Unterstützung deines neuen Arbeitgebers bezüglich deines Engagements aus? Oder ist das überhaupt kein Thema?
Roman: Mein Chef Marc Schwieger findet den Millionentausch super. Während der Arbeitszeit mal was posten oder das ein oder andere Telefonat zu führen, ist gar kein Thema. Ich muss meine Arbeit schaffen, aber für den Millionentausch darf ich nebenbei auch was machen. Anders wäre es auch gar nicht machbar. Ich habe also ’nen coolen Chef. Was den Effekt für die Stiftung angeht: Ich hoffe, dass es einen spürbaren gibt. Aber viel wichtiger ist doch, den Leuten klarzumachen: Auch mit wenig Aufwand kannst du Großes leisten. Das ist der Geist, den ich mit dem Millionentausch verbreiten will. Vielleicht zu viel gewollt. Aber probieren muss man das doch mal.
Maori: Zu viel gewollt finde ich die Aktion überhaupt nicht, auch wenn der Name die Vermutung nahe legt. Aber Fünftausendtausch oder Zwanzigtausendtausch klingt einfach nicht griffig. Ich meine mich daran zu erinnern, dass du mal geschrieben hast, dass du noch nicht genau weißt, wann du sagst: Jetzt ist genug, jetzt wird gespendet. Mal ehrlich: Wann wird gespendet? Erst bei der Million? Oder schon bei der halben?
Roman: Na, das Ziel ist die Million.
Maori: Hoffen wir, dass der Euro so lange durchhält. Dann fordere ich hiermit meine Leserinnen und Leser auf, schöne Tauschvorschläge an den Millionentausch und damit an Roman zu schicken. Und falls Sie sich Sorgen machen: Die Ecke Ägyptens, die zum Tausch angeboten wird, ist sicher. Eine Freundin von mir war gerade dort für einen Tauchurlaub. Roman, ich danke fürs Erste und werde in einigen Monaten wieder auf dich zukommen. Viel Erfolg.
Roman: Ich hab aber auch noch ne Frage an dich.
Maori: Bitte.
Roman: Was würdest Du als treuer Millionentausch-Begleiter mir für ’nen Tipp geben? Das Projekt funktioniert ja nur, wenn möglichst viele mithelfen. Was meinst Du? Was soll ich als nächstes machen, um die Ägyptenreise einzutauschen?
Maori: Dazu müsste ich mir ein paar Gedanken machen. Unternehmen haben wir ja schon genannt. Oder man ruft gleich einen Wettbewerb aus: Liebe Fans und Kollegen, denkt euch bitte für uns eine supergünstige Guerilla-Kampagne aus, wie wir auf den Millionentausch aufmerksam machen können! Ich würde mitmachen. Du hast kein Reisebüro gefunden, das Kinderschutz vor Profit stellt? Dann könnten wir vielleicht ein paar Reisebüros mit Plakaten beglücken: „1 Woche Ägypten + Spenden für Kinder in Not.“ Es gibt Kleister im Baumarkt, die bombenfest kleben. Da hält so ein Plakat schon mal drei Wochen. :)
Roman: Sehr schön. Immer mit einer guten Portion Liebe zum Untergrund.
Maori: Untergrund ist vielleicht doch nicht so die tolle Idee, da es hier auch um Hänsel + Gretel geht. Nun denn, Ideen sind gefragt. Vielleicht hat ja jemand irgendwo noch einen Goldbarren oder Apple-Aktien herumliegen. Ich verabschiede mich. Und bedanke mich für das herzerfrischend lange Interview.
Roman: Ja ja. Wenn zwei Texter aufeinander losgelassen werden, wird’s halt irgendwie nicht kurz.
Roman Jonsson (Jahrgang 1980) arbeitet als Creative Director bei undSchwieger, Hamburg. Davor war er jahrelang erfolgreicher Texter bei Scholz & Friends Hamburg, wo ich ihn kennen und schätzen gelernt habe.
Endlich geht es weiter. Der Millionentausch geht in die … sechste Runde. Das bedeutet, dass es jetzt eine 5-Sterne-Luxusreise zu ertauschen gibt, die Ültje hat springen lassen. Die haben halt die dicksten Nüsse, die von Ültje – wirklich eine feine Aktion. Hier geht es zur Dankesrede von Roman.
Sebastian, den ich bereits in meinem Buch »Vom Schisser zum Glückspilz« erwähnt habe, hat sich für den kommenden Sommer eine entspannte Alpenüberquerung vorgenommen. Um dieses Unterfangen einigermaßen vorbereitet anzugehen, möchte er am Wochenende mit mir durch die Gegend wandern. Nun ja, eigentlich habe ich nichts dagegen einzuwenden. Nur: In den letzten anderthalb Jahren bin ich kaum noch gelaufen. Zwanzig Kilometer würde ich wahrscheinlich noch schaffen, aber nicht gleich an zwei Tagen hintereinander. Wenn überhaupt, dann mit Ach und Krach. Dabei wäre es beinahe anders gekommen, und ich wäre fit wie ein Turnschuh gewesen.
Für den August 2011 hatte ich eine Durchquerung Japans vom nördlichsten Punkt Hokkaidos bis zur Südspitze von Kyushu geplant. Knappe dreitausend Kilometer in einem halben Jahr. Die vorgenommene Strecke führt mitten durch Sendai und Fukushima an der Ostküste entlang. Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen von einem Erdbeben der Stärke 9,0 vor der japanischen Ostküste gehört. Nach etwa drei Tagen stoischen Ertragens der Bilder und Geräusche habe ich endgültig beschlossen, den Plan aufzugeben. Für die nächsten dreißig, wenn nicht gar zwanzigtausend Jahre, wird die Strecke so nicht mehr begehbar sein. Grundsätzlich würde ich eine Durchquerung Japans irgendwann noch einmal in Angriff nehmen, allerdings nicht in nächster Zeit.
Im Sommer werde ich meinen jetzigen Arbeitgeber verlassen und zu einer anderen Agentur wechseln. Damit werde ich in absehbarer Zeit keine Gelegenheit haben, eine halbjährige Auszeit einzulegen. Was auch völlig in Ordnung geht. Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation wollte ich mit der Japan-Aktion Spenden sammeln, aber diese Unterstützung blieb enttäuschenderweise aus. Als Marketing-Typ kann ich nur kopfschüttelnd anmerken, dass viele Organisationen (wahrscheinlich nicht nur in Deutschland) Spenden als selbstverständlich nehmen. Und ja, viele Spender sehen Spenden als selbstverständlich an. Aber gerade deshalb würde ich doch als Organisation jedem Spender eine große Wertschätzung entgegenbringen, anstatt sie als Cash Cows zu sehen, die man mit Mailings und TV-Spots weiter melken möchte. Nicht nur bei Joghurt und Bier, auch bei Hilfsorganisationen merke ich als Medienkonsument doch, ob sie mich als Menschen ernst nehmen oder als Geldbörse sehen. Bevor ich mich jetzt in Rage schreibe, belasse ich es dabei und werde die Unterstützung für eine Organisation einstellen – aufmerksame Beobachter werden bemerken, welche gemeint ist. Die Spenden gehen an eine andere Organisation; an welche, werde ich in einem hochkomplexen Auswahlverfahren festlegen. Mit einer Expertenkommission. Normal.
Falls ich mit Seb wandern gehen sollte, werde ich ein paar Bilder hochladen. Vielleicht sogar ein Video. Aber nur … vielleicht.
Früher war nicht unbedingt alles besser, aber einiges einfacher. Beispielsweise die subjektive Einschätzung Prominenter. Hörte man von einem Aristoteles oder einem Jesus, so konnte man sich aufgrund der zwei, drei Storys, die einem vom tratschsüchtigen Nachbarn übermittelt wurden, genannte Personen einschätzen. Zwar meistens ziemlich falsch, aber doch irgendwie für sich selbst befriedigend genug, um sich nicht in Sackgassen zu denken und zu verzweifeln.
Heutzutage werden wir von Personen des öffentlichen Lebens schier überflutet. Dabei sind die Schichten der Bekanntheit wesentlich filigraner als noch vor zweitausend Jahren. Von lokaler Prominenz bis hin zum Hollywoodstar wuseln Horden mehr oder minder exhibitionistisch veranlagter Hampelmänner (und selbstverständlich -frauen, wo wären wir ohne sie?) durch die Medienlandschaft. Und der Großteil fühlt sich dazu berufen, »der Gesellschaft etwas zurückzugeben«. Ich verstehe zwar nicht, was die Kartoffelkönigin vom Lande der Gesellschaft zu verdanken hat, was diese auch noch zurückhaben möchte. Aber nun gut, unzählige Prominente tummeln sich in Krankenhäusern und Slums, Tierheimen und Jugendzentren, dass man als durchschnittlicher Medienkonsument wie ich völlig überfordert sein muss. Jeder dieser Promis möchte »die Aufmerksamkeit auf das Problem in unserer Gesellschaft« lenken; leider gibt es auf der Welt so viele Unzulänglichkeiten, dass die Aufmerksamkeit eines gesunden Menschenverstandes einfach nicht ausreicht. So ernten die, die am lautesten schreien, auch die dicksten Kartoffeln (der Kreis schließt sich), besonders wenn man die Möglichkeit hat, mit einem Thomas Gottschalk im ZDF drei bis vier Stunden präsent zu sein.
Es gibt unzählige Projekte auf der Welt, die ohne die mediale Macht eines Axel-Springer-Konzerns auskommen müssen. Diese müssen andere Möglichkeiten finden, um zum Erfolg zu kommen. Ich möchte denjenigen, die mit Pauken und Trompeten, fünfzig Promis, zehn Zeitungen und drei TV-Sendern auf die Menschheit losgehen, keinen Vorwurf machen. Auch sie bewirken hier und da Gutes. Wie aber soll sich ein kleines, feines Projekt wie der Millionentausch dagegen behaupten? Roman, Marcin und all die freiwilligen Helfer im Hintergrund arbeiten praktisch ohne Budget, verkaufen durch ihr Engagement weder mehr CDs noch Kinokarten, opfern ihre wenige Freizeit und nehmen lange Bahnfahrten (!) auf sich, um Tauschpartner in ganz Deutschland zu treffen. Der Puls, der das Projekt Millionentausch am Leben hält, ist mehr als nur der Wunsch, die Stiftung Hänsel und Gretel zu unterstützen. Viel mehr soll es Spaß machen zu helfen, Neugierde für die Arbeit der Stiftung und das Millionentausch-Projekt wecken, inzwischen fragen sich Hunderte von Menschen: »Was wird als Nächstes eingetauscht?« Wie bei einer Soap.
Ob das Projekt am Ende tatsächlich eine Million Euro zusammenbekommt, steht in den Sternen. Dass es viel Aufmerksamkeit erregt hat, ist unbestreitbar. Und das lag sicherlich nicht nur an Christoph Metzelder, den prominentesten Unterstützer, der sogar der Springer-Presse eine Meldung wert war. Für mich und all die anderen Millionentausch-Fans sind Roman und Marcin die Promis. Ob es ihnen passt oder nicht.
(Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag und erschien zunächst auf Millionentausch.de.)
In Hamburg stürmt es. Der Himmel ist grau, die Elbe rückt uns auf die Pelle, und der Wind pfeift uns um die Ohren. Höchste Zeit zu verschwinden, weit, weit weg. Daran arbeite ich gerade. Ich plane ein enormes Projekt, und dessen Planung erfordert viel Aufwand und noch mehr Zeit. Da ich noch nicht schreiben darf/kann, wie dieses Projekt denn überhaupt aussieht, möchte ich mich auch nicht allzu lange damit aufhalten. Es müssen noch einige Dinge geklärt werden, Anschreiben verschickt, Geld organisiert. Allerdings wird es wieder ein Projekt für die Kindernothilfe, also drücken Sie mir bitte die Daumen, dass alles erfolgreich verläuft.
Bei den Millionentauschern geht es beharrlich voran. Zurzeit versuchen sie, an eine Zeitungs- oder Zeitschriftenredaktion zu kommen, die eine Doppelseite für eine Anzeige anbieten. Dafür würden sie das perfekte Set für den Pausenraum bekommen: einen offiziellen DFB-Kickertisch mit Turniermaßen, eine Nintendo Wii Spielkonsole plus Zubehör für vier Personen plus Spiele. Natürlich können sich auch noch andere Tauschinteressenten melden, beispielsweise mit ihrer goldenen Rolex oder einem echten Marc Chagall.
Diese bereits sehr bekannte Spendenaktion gehört nicht unmittelbar in meinen Themenbereich, allerdings halte ich es für eine gute und sinnvolle Sache, so dass ich sie kurz vorstellen möchte. Frank ist an akuter myeloischer Leukämie erkrankt. Seine Freunde haben die Aktion »Wir für Frank« ins Leben gerufen, um einen kompatiblen Stammzellenspender zu finden. Das ist nun tatsächlich nach zahlreichen Aktionen gelungen. Aber es gibt noch unzählige Menschen, die an Leukämie erkrankt sind. Dabei könnten Sie vielleicht der entscheidende Lebensretter sein, der einen heute noch sehr kranken Menschen ohne großes Zutun unendlich glücklich machen können.
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei registriert Freiwillige, die sich als potentielle Knochenmarkspender zur Verfügung stellen. Informationen und die konkrete Vorgehensweise finden Sie auf der Website der DKMS.
Endlich kann sich Metze wieder auf die Abwehrarbeit konzentrieren, denn sein Trikot wurde gegen ein mytoys.de-Paket im Wert von tausend Euro eingetauscht. Im Paket enthalten sind ein offizieller DFB-Turnierkickertisch plus eine Nintendo Wii mit Zubehör für vier Spieler plus Wii-Spiele. Perfekt, um einen Pausenraum auszustatten. Auch eine WG könnte in Frage kommen, vielleicht tauscht ja jemand sein MacBook weg. Hier das recht launige Tauschvideo:
Erfreulich ist, dass immer wieder Presseberichte auftauchen. Aktuell berichtet die Welt in ihrer Onlineausgabe von der Aktion. Meine Vertretung wurde gemischt aufgenommen, und mit gemischt meine ich super. Leider war ich die ganze Zeit krank, weshalb ich mich nicht richtig auf die Aktion konzentrieren konnte, aber ich denke, mit zweihundert neuen Facebook-Freunden in zwei Wochen ist meine Bilanz okay. Jetzt brauchen die Jungs nur noch ein paar neue, richtig engagierte Tauschvorschläge im Kampf gegen Kindesmissbrauch.
Vorgestern las ich unter einem Onlineartikel eines unseriösen Boulevardblattes:
»Jede Werbung lügt!!! Ich kaufe nie was in der Werbung kommt!!!«
Grammatik und Rechtschreibung wurden von mir korrigiert, aber die sechs Ausrufezeichen, die gerade vor meiner Wohnung eine Hundebesitzerin ebenfalls benutzt (nerv), habe ich mal gelassen. Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass Werbung immer wieder sehr viel Sinn machen kann. Der virtuelle Automarkt AutoScout24 startete vor einiger Zeit die Aktion »Liebstes Auto«. Jeder kann ein Bild seines Autos hochladen und erklären, wieso gerade seins so toll sein soll. Alle, die bei AutoScout24 registriert sind, dürfen abstimmen, und der Gewinner bekommt € 10.000. In zweieinhalb Stunden ist es soweit, und dann wandern die € 10.000 höchstwahrscheinlich an Martin.
Und schon begannen die Leute abzustimmen, damit die ausgelobten € 10.000 nicht in irgendein Privatvergnügen versickern, sondern an drei Hilfsorganisationen gehen: die Stiftung Hänsel und Gretel, die Ärzte ohne Grenzen und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS. Und wenn jemand der Meinung ist, Werbung lüge nur, der glaubt auch, dass sich Deutschland abschafft.